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Medienkonzentration

Medienrelevante verwandte Märkte

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Fictionrechte

Bedeutung
Produktion
Rechtehandel

Bedeutung

Nach der amtlichen Begründung zu § 26 RStV zählen Produktion und Rechtehandel zu den medienrelevanten verwandten Märkten, die in die medienkonzentrationsrechtliche Prüfung einzubeziehen sind.

Ein wichtiges Segment stellen Rechte an fiktionalem Programm dar. Die Fernsehzuschauer verbringen einen großen Teil ihrer täglichen Sehdauer mit dem Konsum fiktionaler Unterhaltung. Zwar hat der Trend zu nichtfiktionaler Unterhaltung (Quiz-, Talk- und Spielshows, Reality TV, Doku-Soaps etc.) bei einigen Programmen zu einem Rückgang von Sendezeit im Bereich der fiktionalen Unterhaltung geführt; der Zugang zu Rechten an fiktionalem Programm ist aber nach wie vor ein wichtiger Erfolgsfaktor bei der Fernsehveranstaltung. Dies gilt insbesondere im Bereich des Pay-TV.

Spartenangebot und Spartennutzung im Fernsehen 2006 bis 2009 (Angaben in Prozent)

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Anteil von fiktionalem Programm im Gesamtprogramm (Angaben in Prozent)

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Für Fernsehveranstalter kann eine Verflechtung mit Produktionsunternehmen und Rechtehändlern („Rückwärtsintegration“) u. a. den Vorteil einer Verringerung des Beschaffungsrisikos für attraktive Programminhalte bieten. Umgekehrt versuchen Produzenten und Rechtehändler, durch Beteiligung an einem Fernsehsender („Vorwärtsintegration“) ihre Marktmacht mit Hilfe eigener Abspielkanäle zu festigen und ihr Distributionsrisiko zu mindern. Durch neue Verbreitungstechniken und die steigende Anzahl von Fernsehsendern infolge der Digitalisierung ist die Bedeutung der Inhalte-Produktion weiter gewachsen.

Der Programmveranstaltung vor- und nachgelagerte Märkte

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Fernsehsendungen können von den Programmveranstaltern ganz oder in Teilen selbst (Eigen- oder Koproduktionen) hergestellt oder über den Markt (Auftrags- oder Kaufproduktionen) bezogen werden. Als Eigenproduktion gelten die Sendungen/Programmteile, die unternehmensintern im Sender hergestellt werden. Im fiktionalen Bereich hat die Eigenproduktion an Bedeutung verloren. Abgesehen von der Produktion von Nachrichten (insbesondere bei den öffentlich-rechtlichen Sendern) sind meist nur aktuelle Informationssendungen Eigenproduktionen.1 Bei der Auftragsproduktion erteilt ein Fernsehsender einem externen Produzenten den Auftrag zur Herstellung einer Sendung. Dazu zählen auch Produktionen, die zwar nicht vom Fernsehveranstalter selbst, aber von einem zum selben Konzern gehörigen Unternehmen hergestellt werden. Eine dritte Kategorie stellen Kaufproduktionen dar, bei denen der Sender TV-Verwertungsrechte für Produktionen erwirbt. Hierbei stellen insbesondere fiktionale Stoffe von Hollywood Studios oder US-Serien massenattraktive Inhalte dar. Kaufprogramme machen vor allem bei Pay-TV-Sendern und kleineren Sendern (z. B. RTL II, kabel eins) einen Großteil des Programmangebots aus.

Zusammensetzung des Programms nach Produktionsformen (Angaben in Prozent)

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Produktion

Die Beziehung zwischen Produktionsunternehmen und Fernsehveranstaltern ist durch eine hohe Abhängigkeit der auf Fernsehfilme und -serien spezialisierten Produzenten gekennzeichnet. Dies ist zunächst der Struktur des Produktionsmarktes als Käufermarkt geschuldet: Die Produktionsunternehmen erstellen ihr Werk in der Regel als Auftragsproduktion für die Sender.2 Hinzu kommt, dass die großen Produktionsgruppen mit Fernsehveranstaltern unmittelbar verflochten sind (u. a. UFA-Gruppe, Studio Hamburg, Bavaria). Eher selten ist die vertikale Vorwärtsintegration, bei der Produzenten oder Rechtehändler durch Beteiligung an einem Fernsehsender versuchen, ihre Marktmacht mit Hilfe eigener Abspielkanäle zu festigen und ihr Dispositions- und Erfolgsrisiko zu mindern. Grund hierfür ist, dass der Betrieb von Distributionskanälen zusätzliche Kenntnisse im Bereich der Sendeablauforganisation und des Endkundenmarketings erfordert, über die selbst große Produktionsunternehmen häufig nicht verfügen.3 So hat die UFA-Gruppe, bei dem mit der RTL-Gruppe gegründeten Gemeinschaftsunternehmen, das das Pay-TV-Programm Passion veranstaltet, die operative Sendeabwicklung an den Partner RTL abgegeben. Ferner bedarf es zur Fernsehveranstaltung eines umfangreichen Rechtestocks. Da deutsche Auftragsproduzenten nach dem herkömmlichen Vertragsmodell selten selbst die Rechte an ihren Produktionen halten, verfügen sie in der Regel nicht über einen ausreichenden Programmbestand, um einen Fernsehsender auszustatten.

Die Absatzchancen unabhängiger Produzenten werden geringer, je stärker die Fernsehveranstalter durch Rückwärtsintegration mit der Produktionsebene verbunden sind. Die Nachfragemacht der Fernsehveranstalter ist umso größer, je stärker der Fernsehmarkt konzentriert ist.

Umsatz von Produktionsunternehmen

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Rechtehandel

Nach der Produktion von Programminhalten folgt die wirtschaftliche Nutzung durch den Rechtehandel. Den Handel mit Programmlizenzen übernehmen in Deutschland zum einen nationale und internationale Rechtehändler. Zum anderen vertreiben Film- und Fernsehproduzenten ihre Vermarktungs- und Nutzungsrechte direkt.

In Deutschland war die KirchGruppe als erstes deutsches Unternehmen im Rechtehandel tätig. Nach deren Zusammenbruch sind neben internationalen Rechtevermarktern auf dem deutschen Markt insbesondere die Kineos GmbH, in deren Besitz die Filmbibliothek aus der Konkursmasse der KirchMedia übergegangen ist, und die Tele München Gruppe aktiv. Der Rechtestock der Kineos GmbH umfasst rund 12.000 Titel, darunter 8.000 Spielfilme. Die Tele München Gruppe verfügt nach eigenen Angaben über eine Filmbibliothek von über 5.000 Spielfilmen, Fernsehfilmen und Miniserien, mehr als 7.000 Serienepisoden und 2.500 halbstündigen Zeichentrickepisoden. Sie erzielte im Bereich des Rechtehandels im Jahr 2009 einen Umsatz von über 200 Mio. Euro. Als weiteres Rechtehandelsunternehmen ist die KINOWELT International GmbH auf dem deutschen Markt tätig, die auf eine Bibliothek von über 7.000 Titeln zurückgreifen kann. Seit 2008 gehört die KINOWELT-Gruppe zur französischen StudioCanal-Gruppe.

Um den Einfluss größerer Rechtehändler zu umgehen, haben die großen Sendergruppen direkte Verträge mit internationalen Film- und Fernsehproduzenten geschlossen (Paket- und Output-Deals, s. Output-Deals und Paketverträge mit Hollywood Studios) oder zum Einkauf fremder oder zur Vermarktung eigener Produktionen eigene Rechtehandelsunternehmen gegründet („Rückwärtsintegration“). Beispiele für eine solche Rückwärtsintegration zwischen Rundfunkveranstaltern und Rechtevermarktern sind die Degeto Film GmbH (ARD), die Telepool GmbH (BR, MDR, SWR, Televetia AG), die ZDF Enterprises GmbH (ZDF), die FremantleMedia Enterprises (RTL Group) und SevenOne International GmbH (ProSiebenSat.1 Media AG).

Die vertikal integrierten Sender können von der Programmbibliothek der zu ihrer Unternehmensgruppe gehörigen Rechtehandelsunternehmen profitieren (so z. B. der Sender Tele 5, der zur Tele-München-Gruppe gehört). Zu diesem Zweck haben NBC Universal, Disney und Viacom in Deutschland über Tochterunternehmen eigene TV-Sender gegründet. Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die US-amerikanischen Produktionsstudios und die jeweils zur Unternehmensgruppe gehörigen bundesweiten Fernsehveranstalter.

Beteiligungen der US-amerikanischen Produktionsstudios bzw. ihrer Konzernunternehmen an Veranstaltern von bundesweitem privaten Fernsehen (mit fiktionalem Programm)

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Neben der Verbindung mit Produktions- und Rechtehandelsunternehmen sichern sich Veranstalter attraktive Rechte durch Output-Deals, bei denen die Rechte für sämtliche Neuproduktionen eines Studios für einen festgelegten Zeitraum vorab verkauft werden. Als besonders zuschauerattraktiv werden vor allem sogenannte Premium-Programme wie Erstausstrahlungen von Filmproduktionen großer Hollywoodstudios oder exklusive Übertragungsrechte an Sportveranstaltungen angesehen. In Deutschland hat für den Pay-TV-Bereich Sky Deutschland mit allen großen Hollywood Studios Output-Deals bzw. langfristige Paketverträge geschlossen. Im frei empfangbaren Fernsehen verfügen die RTL Group und die ProSiebenSat.1 Media AG über umfassende vertragliche Zugriffsrechte auf Produktionen der Hollywood Majors.

Output-Deals und Paketverträge mit Hollywood Studios

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1) Christian Zabel, Wettbewerb im deutschen TV-Produktionssektor, 2009, S. 59.
2) Christian Zabel, Wettbewerb im deutschen TV-Produktionssektor, 2009, S. 243.
3) Christian Zabel, Wettbewerb im deutschen TV-Produktionssektor, 2009, S. 324.

Stand: April 2011