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Nach der amtlichen Begründung zu § 26 RStV zählen Produktion und Rechtehandel zu den medienrelevanten verwandten Märkten, die in die medienkonzentrationsrechtliche Prüfung einzubeziehen sind.
Ein wichtiges Segment stellen Rechte an fiktionalem Programm dar. Die Fernsehzuschauer verbringen einen großen Teil ihrer täglichen Sehdauer mit dem Konsum fiktionaler Unterhaltung. Zwar hat der Trend zu nichtfiktionaler Unterhaltung (Quiz-, Talk- und Spielshows, Reality TV, Doku-Soaps etc.) bei einigen Programmen zu einem Rückgang von Sehdauer und Sendezeit im Bereich der fiktionalen Unterhaltung geführt; der Zugang zu Rechten an fiktionalem Programm ist aber nach wie vor ein wichtiger Erfolgsfaktor bei der Fernsehveranstaltung. Dies gilt insbesondere im Bereich des Pay-TV.
Für Fernsehveranstalter kann eine gesellschaftsrechtliche Integration von Produktionsunternehmen und Rechtehändlern u. a. den Vorteil einer Verringerung des Beschaffungsrisikos für attraktive Programminhalte bieten. Umgekehrt versuchen Produzenten durch Vorwärtsintegration, d. h. durch Beteiligung an einem Fernsehsender, ihre Marktmacht mit Hilfe eigener Abspielkanäle zu festigen und ihr Distributionsrisiko zu mindern.
Die Beziehung zwischen Produktionsunternehmen und Fernsehveranstaltern ist durch eine hohe Abhängigkeit der auf Fernsehfilme und -serien spezialisierten Produzenten gekennzeichnet. Die Nachfragemacht der Fernsehveranstalter ist umso größer, je stärker der Fernsehmarkt konzentriert ist. Die Absatzchancen unabhängiger Produzenten werden geringer, je stärker die Fernsehveranstalter durch Rückwärtsintegration mit der Produktionsebene verbunden sind.
Das FORMATT-Institut untersucht im Auftrag der Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen kontinuierlich die Struktur im Markt der Auftragsproduktion anhand des in Minuten gemessenen Produktionsvolumens der Unternehmen.
Der Markt für den Handel mit Fictionrechten ist von Intransparenz gekennzeichnet. Die KirchGruppe galt bis zu ihrer insolvenzbedingten Auflösung unbestritten als größter Rechtehändler in Deutschland. Die Rechtebibliothek der Kirch Media GmbH & Co. KGaA und ihrer Tochtergesellschaften, der Taurus Lizenz GmbH & Co. KG und der Beta Film GmbH, war nach Einschätzung des Bundeskartellamts mit einer gesamten Sendezeit von über 60.000 Stunden eine der größten der Welt und mit Abstand die größte in Deutschland. Die unter der Führung der KirchGruppe für den internationalen Rechtehandel zuständige Beta Film GmbH wurde von der EOS Distribution GmbH (Jan Mojto) übernommen. Über den Rechtestock für den deutschen Markt mit rund 12.000 Titeln, darunter 8.000 Spielfilme, verfügt nach Presseberichten seit März 2005 ein Gemeinschaftsunternehmen der Beta Film GmbH und der insolventen Kirch Media GmbH & Co. KGaA. Zuvor wurde jedoch im Jahr 2003 ein Volumenvertrag mit zehnjähriger Laufzeit über 2.015 Spielfilme und 130 Serien aus diesem Programmbestand zwischen der Kirch Media GmbH & Co. KGaA und der ProSiebenSAT.1 Media AG abgeschlossen. Die Tele München Gruppe wurde nach der Insolvenz der KirchGruppe als größter deutscher Lizenzhändler eingeschätzt. Sie verfügt nach eigenen Angaben über eine Filmbibliothek von über 5.000 Spielfilmen, TV-Movies und Miniserien, mehr als 7.000 Serienepisoden und 3.000 halbstündigen Zeichentrickepisoden.
Neben der Integration von Produktions- und Rechtehandelsunternehmen sichern sich Veranstalter attraktive Rechte durch Output-Deals, bei denen die Rechte für sämtliche Neuproduktionen eines Studios für einen festgelegten Zeitraum vorab verkauft werden. Als besonders zuschauerattraktiv werden vor allem so genannte Premium-Programme wie Erstausstrahlungen von Filmproduktionen großer Hollywoodstudios oder exklusive Übertragungsrechte an Sportveranstaltungen angesehen. In Deutschland hat für den Pay-TV-Bereich Premiere mit allen großen Hollywood Studios Output-Deals bzw. langfristige Paketverträge geschlossen. Im frei empfangbaren Fernsehen verfügen vor allem die RTL Group und die ProSiebenSAT.1 Media AG über umfassende vertragliche Zugriffsrechte auf Produktionen der Hollywood Majors. Der frei empfangbare Sender DAS VIERTE hat Zugriff auf die Produktionen seines Mutterunternehmens Universal Studios. Das zu einem Spielfilmsender umgestaltete Programm Tele 5 kann aus dem 5.000 Titel umfassenden Filmrechtestock der Tele München Gruppe schöpfen.
Stand: September 2008