Der private Hörfunkmarkt in Deutschland ist nach wie vor von einer heterogenen Eigentümerstruktur geprägt; bundesweit halten etwa 2.500 Gesellschafter Anteile an privatwirtschaftlichen Radiostationen (vgl. ALM Jahrbuch 2007, S. 212). Der Hörfunkmarkt folgt im Wesentlichen dem föderalen Aufbau des deutschen Staates. Die Struktur des privaten Hörfunks spiegelt die ausschließliche Kompetenz der Länder und deren Unterschiede bei Fragen der Regulierung des Hörfunks wider. Vor diesem Hintergrund stellen bundesweite Angebote sowohl im öffentlich-rechtlichen (Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur) als auch im privaten Teilsystem (z. B. RTL Radio, JAM FM, Klassik Radio, sunshine live) eher die Ausnahme dar. Es überwiegen landesweite Sender. In einzelnen Ländern sind lokale Programme von Gewicht. Insbesondere in Bayern und Nordrhein-Westfalen kommt dem Lokalfunk eine herausragende Bedeutung zu. Entscheidend für die Marktverhältnisse beim Hörfunk ist nach wie vor die terrestrische Ausstrahlung über UKW. Mittelwelle (analog oder digital) und DAB spielen insgesamt im Markt eine geringe Rolle.
Der Rundfunkstaatsvertrag enthält keine Maßnahmen zur Sicherung der Meinungsvielfalt im privaten Hörfunk. Die Vielfaltsicherung im privaten Hörfunk ist Bestandteil der jeweiligen Landesmediengesetze, die unterschiedliche Regulierungsansätze verfolgen. Außerdem hat die Lizenzierungspraxis auf die konkrete Struktur der Beteiligungsverhältnisse großen Einfluss. Die meisten Länder orientieren sich am Modell des Außenpluralismus. Spezifische binnenplurale Organisationsformen sieht das nordrhein-westfälische Regulierungsmodell für den privaten Lokalfunk vor, das als Zwei-Säulen-Modell bezeichnet wird. Damit hat der Landesgesetzgeber den Zeitungsverlagen in den Verbreitungsgebieten des Lokalfunks jeweils eine Beteiligungsoption an der Betriebsgesellschaft (BG, erste Säule) des Lokalfunks bis zu einer Höhe von 75 % der Anteile zugestanden. In Programmfragen ist aber nicht die Betriebsgesellschaft, sondern die Veranstaltergemeinschaft (VG, zweite Säule) zuständig. Sie ist die Inhaberin der rundfunkrechtlichen Zulassung. Die VG ist allein verantwortlich für das Programm und Arbeitgeberin der Redakteure/Innen. Sie ist als gemeinnütziger Verein organisiert und binnenpluralistisch zusammengesetzt, d. h., alle maßgeblichen gesellschaftlichen Gruppen (z.B. Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände, Kirchen, Sport- und Jugendverbände, Verbände ausländischer Mitbürger) am Ort sind mit je einem Sitz vertreten.
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Aus Sicht der KEK sind in erster Linie die Hörfunkbeteiligungen von Unternehmen, die auch im nationalen Fernsehmarkt engagiert bzw. mit Veranstaltern von bundesweitem privatem Fernsehen verflochten sind, relevant. Hier spielt die RTL Group S.A. mit 19 Hörfunkbeteiligungen in Deutschland eine wesentliche Rolle. Die Hubert Burda Media Holding GmbH & Co. KG verfügt über zahlreiche Hörfunkbeteiligungen und ist an den bundesweiten privaten Fernsehsendern RTL II (1,1 %), Focus Gesundheit (100 %) sowie tv.gusto (50 %) beteiligt. Die Heinrich Bauer Verlag KG, die ebenfalls an dem Fernsehsender RTL II (31,5 %) beteiligt ist, hält 4 Hörfunkbeteiligungen. Auch die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck ist an einem bundesweiten Fernsehsender (Gute Laune TV, 40,34 %) beteiligt, verfügt jedoch nur über zwei Hörfunkbeteiligungen („94,5 Radio Cottbus“, „bigFM Saarland“). Die Verlagsgesellschaft Madsack GmbH & Co. KG ist mit 15,02 % an der DFW Deutsche Fernsehwerke GmbH, der Veranstalterin des bundesweiten Fernsehprogramms Timm, beteiligt. Sie hält zudem eine 90-%-Beteiligung an der AZ Media TV GmbH, die Drittfenster im Programm von RTL veranstaltet, sowie 10 Radiobeteiligungen.
Neben der RTL Group und Burda gehören die Axel Springer AG, die Regiocast GmbH & Co. KG sowie die Nordwest-Medien GmbH & Co. KG zu den wichtigen nationalen Hörfunkanbietern. Die Axel Springer AG hält mit einer Vielzahl von Minderheitsbeteiligungen ein Portfolio an einigen der erfolgreichsten Hörfunksender Deutschlands. Dazu gehören z. B. „Radio Hamburg“, „radio ffn“, „Antenne Bayern“, „Radio NRW“, „Hit Radio FFH“, „planet radio“, „Hit-Radio Antenne 1“, und über die „Ostsee-Zeitung“ ist sie mit einer weiteren Minderheitsbeteiligung am Sender „Antenne MV“ beteiligt. Daneben ist die Axel Springer AG über die Radioholdinggesellschaft Regiocast GmbH & Co. KG an verschiedenen Sendern (z. B. „Radio RSH“, „Radio PSR“, „R.SA“, „94’3 r.s.2“) mittelbar beteiligt. Regiocast hat zahlreiche Beteiligungen an privaten Radioveranstaltern in Ost- und Norddeutschland sowie Berlin. Durch die 49-%-Beteiligung der NWZ Funk- und Fernsehen GmbH & Co. KG, einem Tochterunternehmen der Nordwest-Medien GmbH & Co. KG, Oldenburg, an Frank Otto Medien, Hamburg, wird die Nordwest-Medien bedeutsam für den deutschen Hörfunkmarkt. Mit Ausnahme der französischen NRJ-Gruppe, die es geschafft hat, ein Netz von Ballungsraumradios aufzubauen, spielen ausländische Veranstalter am deutschen Radiomarkt praktisch keine Rolle (ebenda). So gibt es eine Reihe an Hörfunkveranstaltern, die zwar keine Beteiligungen an bundesweitem privatem Fernsehen halten, aber dennoch für den Hörfunkmarkt in Deutschland eine wesentliche Rolle spielen.
Neben den offenen Fragen der Senderzurechnung stellt die Messung der Konzentration anhand von Hörfunknutzungsdaten ein Problem dar, das noch weiterer Klärung bedarf. Die wichtigste Quelle über Nutzungsdaten von Hörfunkprogrammen ist die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (AG.MA), ein Zusammenschluss von 260 Unternehmen der Werbe- und Medienwirtschaft, deren Daten die Werbeagenturen für ihre Schaltplanungen und die Sender für ihre Programmentscheidungen nutzen. Anders als die von der AGF/GfK-Fernsehforschung erhobenen Daten über Zuschaueranteile für das Fernsehen werden die Daten zur Hörfunknutzung nicht kontinuierlich erhoben, sondern jährlich in zwei Wellen. Die Ergebnisse werden den Kunden der AG.MA zur Verfügung gestellt. An der AG.MA beteiligen sich fast alle landes- und bundesweiten Sender. Für lokale Programme werden gesonderte Erhebungen durchgeführt, die sich am AG.MA-Standard orientieren. Die Untersuchungen sind sehr aufwändig, da wegen der regionalen Gliederung des Hörfunks für solide Daten eine hohe Fallzahl – derzeit etwa 66.000 Telefoninterviews – angesetzt werden muss. Für die Auswertung des Materials sind im Laufe der Zeit mehrere Konventionen entwickelt worden, z. B. das Splitting nach Altersgruppen und nach Nutzungsintensität (Verweildauer, Hördauer). Seit dem zweiten Halbjahr 2008 werden in der AG.MA alle Personen ab 10 Jahren (zuvor ab 14 Jahren) sowie die in Deutschland lebenden EU-Ausländer ab 14 Jahren erfasst. Dadurch vergrößert sich die Grundgesamtheit der Media-Analyse Radio von 64,871 Mio. auf insgesamt 69,828 Mio. Personen. Auf der Basis der AG.MA-Daten werden von einzelnen Sendern oder Sendergruppen bzw. deren Werbekombis weitere Werte berechnet, wie etwa der „Marktanteil", der auf den Daten zur Hördauer basiert, oder die „Reichweite", die auf den Daten zum Kriterium „Hörer gestern" beruht. Die Hörfunknutzung wird – anders als bei den minutengenauen Messungen für das Fernsehen – mit der relativ groben Einteilung nach Viertelstunden bei den Probanden ermittelt.
Ein Vergleich der Branchenstrukturen im Hörfunkbereich mit dem Fernsehen zeigt, dass in der Summe die Beteiligungsstrukturen und Hördaueranteile einen Stand der Konzentration abbilden, der immer noch viel geringer als etwa in der Fernsehbranche ist. Dieser Befund für den Hörfunksektor gilt derzeit trotz zahlreicher, den Grad der Konzentration erhöhenden Veränderungen. Im Ergebnis erreicht auf der bundesweiten Ebene keine private Hörfunkgruppe durch Kumulation von Sendern auch nur annähernd ein Niveau, das in der Nähe eines Grenzwertes von 30 % des Hördaueranteils – entlehnt aus der Konzentrationskontrolle im Fernsehsektor – liegt.
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Mit den 19 direkten und indirekten Hörfunkbeteiligungen in Deutschland erzielte die RTL Group S.A. im Jahr 2007 Einnahmen in Höhe von 17 Mio. Euro (vgl. Geschäftsbericht der RTL Group 2007, S. 88). Damit erreichte die RTL Radio Deutschland GmbH, die deutsche Radio-Holding der RTL Group S.A., in welcher die Hörfunkbeteiligungen der RTL Group S.A. gebündelt sind, ihr bisher bestes Ergebnis. Alle Radiosender von RTL Radio Deutschland bauten im Jahr 2007 ihre Diversifikations-, Internet- und Digitalradio-Aktivitäten aus. In Kooperation mit Hit Radio FFH und Radio FFN gründeten die Radiosender Antenne Bayern, Hit-Radio Antenne Niedersachsen und Radio Hamburg, an denen RTL Radio Deutschland beteiligt ist, das Konsortium Digital 5, um ihre digitalen Aktivitäten zu bündeln. Bisher hat Digital 5 insgesamt 16 Web-Sender gestartet. Im Oktober 2007 erhöhte die RTL Radio Deutschland ihre Beteiligung an dem Berliner Radiosender 105,5 Spreeradio von 33,84 % der Anteile auf 100 %. Durchschnittlich erreichen die deutschen RTL-Radios 24 Mio. Hörer an einem Tag und rund 5 Mio. Hörer in einer Stunde (vgl. Geschäftsbericht der RTL Group 2007, S. 91). Die deutschen Hörfunkbeteiligungen der RTL Group S.A. sind in der UFA Film und Fernseh GmbH, Köln, der RTL Radio Deutschland GmbH, Berlin, sowie deren Tochtergesellschaften gebündelt.
Die Hörfunkprogramme, die der RTL Group/Bertelsmann AG für die Konzentrationsprüfung im Medienbereich in entsprechender Anwendung des § 28 Abs. 1 RStV zuzurechnen sind, erreichen nach der ma 2009 Radio I einen Hördaueranteil (Marktanteil) von insgesamt 7,0 %, bezogen auf das gesamte Bundesgebiet.
Die RTL Group ist zudem an Radiovermarktungsgesellschaften beteiligt. In der Vermarktung von Programmen ist einzig die Radio Systems Production & Services GmbH, Berlin, eine 100%ige Tochter der RTL Group, aktiv. Die Radio Systems Production & Services GmbH liefert den der RTL Group zurechenbaren Sendern Musik-Playlists zu und vermarktet in geringem Umfang (auch an Dritte) Comedy-Programme (vgl. Beschluss der KEK vom 08.05.2006 i. S. n-tv, Az.: KEK 309).
Die RTL Group hält sämtliche Anteile an der RTL Radio Vermarktungs GmbH & Co. KG, Berlin, die insbesondere für „104,6 RTL“ und „105,5 Spreeradio“ die Vermarktung von Werbezeiten übernimmt. Außerdem ist die RTL Group an dem nationalen Radiovermarkter RMS Radio Marketing Service GmbH & Co. KG (RMS) beteiligt. Im Juni 2007 ging die RTL Audiotainment eine Allianz zur Vermarktung von Radiowerbung mit der ARD-Werbung SALES & SERVICES GmbH (AS&S) ein; im Mittelpunkt steht die Entwicklung medienübergreifender Konzepte für Sonderwerbeformen (vgl. ALM Jahrbuch 2007, S. 210). Die beiden in Deutschland führenden Hörfunkvermarkter RMS und AS&S sind seit 2007 zudem in der Vermarktung digitaler Audioangebote aktiv und verkaufen Werbung für Podcasts und Webradios.
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Die Hubert Burda Media Holding GmbH & Co. KG hält nach eigenen Angaben mehr als 30 direkte oder indirekte Beteiligungen an Radio- und TV-Sendern. Insbesondere in Süddeutschland gehört Burda zu den bedeutenden Akteuren im Hörfunksektor. Siehe auch Hördaueranteile der Radiobeteiligungen der Hubert Burda Media Holding GmbH & Co. KG.
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Die Heinrich Bauer Verlag KG hält 4 Hörfunkbeteiligungen in Deutschland. Es handelt sich um Beteiligungen an der Radio Hamburg GmbH & Co. KG („Radio Hamburg“), Radio 95.0 GmbH & Co. KG („Oldie 95”), delta radio GmbH & Co. KG („delta radio”) und NORA NordOstseeRadio GmbH & Co. KG („Radio Nora”). Siehe auch: Hördaueranteile der Radiobeteiligungen der Heinrich Bauer Verlag KG.
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Die Madsack GmbH & Co. KG hält verschiedene Beteiligungen im Bereich des Hörfunks, schwerpunktmäßig im Stammland Niedersachsen. Zu den wichtigsten Beteiligungen gehören die Antenne Niedersachsen GmbH & Co. („Hit Radio Antenne“), die Funk und Fernsehen Nordwestdeutschland GmbH & Co. („ffn“), die AH Antenne Hörfunk-Sender GmbH Co. KG („Radio Brocken“, „89.0 RTL“) und die Hit Radio RTL Sachsen GmbH („Hit Radio RTL Sachsen“). Aus medienrechtlichen Gründen werden die Gesellschaftsanteile bei „ffn“ und „Hit Radio Antenne“ teilweise von der Radio Madsack Niedersachsen GmbH & Co. KG gehalten. Darüber hinaus ist Madsack an verschiedenen privaten Hörfunksendern und -ketten in Deutschland beteiligt. Siehe auch: Hördaueranteile der Radiobeteiligungen der Madsack GmbH & Co. KG.
Stand: März 2009