Bedeutung
Digitalisierung der Übertragungswege
Satellit
Kabel
Terrestrik (DVB-T)
IPTV (DSL-TV)
Zum Jahresende 2011 sahen in Deutschland erstmals mehr Menschen primär über Satellit als über Kabel fern. Die Zahl der Satellitenhaushalte betrug 17,5 Mio., das entspricht 46,3 % aller Haushalte. Danach folgen die Empfangsebenen Kabel mit 17,3 Mio. Haushalten (45,6 %), Terrestrik (DVB-T) mit 1,8 Mio. (4,8 %) und IPTV (DSL-TV) mit 1,3 Mio. (3,3 %) Haushalten (Quelle: TNS Infratest, TV-Monitor 2011). Rund 70 % aller Fernsehhaushalte nutzen Digital-TV (Quelle: AGF/GfK-Fernsehforschung, Stand: Mai 2012).
Die Versorgung der Satellitenhaushalte mit Fernsehprogrammen erfolgt in Deutschland maßgeblich durch die Satellitenbetreiber SES ASTRA S.A. und Eutelsat S.A. Beide Satellitenbetreiber haben in den vergangenen Jahren ihre bisher reine Transportfunktion um Vermarktungsdienstleistungen erweitert und eigene Satellitenplattformen aufgebaut. So betreibt SES ASTRA seit November 2009 über die Tochtergesellschaft HD PLUS GmbH die digitale Satellitenplattform HD+, bei der Fernsehprogramme im HDTV-Standard ausgestrahlt werden. Gemeinsam mit der Deutsche Telekom AG vermarktet SES ASTRA seit September 2011 das Angebot Entertain Sat, welches das Free-TV-Angebot von ASTRA inklusive HD+ mit dem IPTV-Angebot Entertain der Deutschen Telekom kombiniert.
Der deutsche Kabelmarkt ist durch mehrfache Gesellschafterwechsel und Konsolidierungsbestrebungen geprägt. Die großen Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland und Liberty Global (Unitymedia und Kabel BW) beherrschen den Markt, sie bilden ein Duopol.
IPTV wird in Deutschland derzeit durch die drei Telekommunikationsunternehmen Deutsche Telekom (Entertain), Telefónica Germany (Alice TV) und Vodafone (Vodafone TV) angeboten. Mit 3 % Marktanteil im Jahr 2011 ist dieser Rundfunkübertragungsweg noch relativ unbedeutend, verzeichnet jedoch gute Wachstumszahlen (2010: 2,3 %, 2009: 1,0 %, 2008: 0,3 %; Quelle: die Medienanstalten, Digitalisierungsbericht 2011).
Die Digitalisierung der Übertragungswege nimmt stetig zu. Nach dem von TNS Infratest veröffentlichten TV-Monitor 2011 lag der Digitalisierungsgrad beim Satellitenempfang zum Jahresende 2011 bei etwa 90 %. Am 30.04.2012 wurde das analoge Satellitensignal abgeschaltet, von einem starken Digitalisierungseffekt dieser Fernsehhaushalte ist auszugehen. Über das Kabel empfangen bislang 46 % der Haushalte das TV-Programm digital, allerdings können auch hier jährlich Zugewinne verbucht werden (2010: 38 %, 2009: 34 %). Das analoge terrestrische Signal wurde Ende November 2008 vollständig abgeschaltet, der Anteil der DVB-T-Haushalte liegt derzeit bei rund 5 %. Der Marktanteil von IPTV wächst von Jahr zu Jahr kontinuierlich und trägt somit zur fortschreitenden Digitalisierung bei.
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Von der Abschaltung der analogen Satellitenübertragung sind auch die Kabelnetzbetreiber betroffen, da nicht nur der analoge Satelliten-Direktempfang entfällt, sondern zudem auch die analoge Signalheranführung zu den Kabelkopfstationen. Die Kabelnetzbetreiber sind folglich gezwungen, das digitale Signal wieder in ein analoges umzuwandeln (Re-Analogisierung) oder die analoge Verbreitung ebenfalls einzustellen.
Der Anteil von Fernsehhaushalten mit digitalen Empfangsgeräten hat in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen. Nach Angaben der AGF/GfK-Fernsehforschung gibt es mittlerweile 24,8 Mio. Fernsehhaushalte (68,8 %) mit einem angeschlossenen Digital-Receiver (Stand: 01.05.2012).
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Die Zunahme der Fernsehhaushalte mit angeschlossenem Digital-Receiver hat auch einen Anstieg der Nutzung digitaler Fernsehprogramme zur Folge. Im April 2012 entfielen 59,4 % der von der AGF/GfK-Fernsehforschung gemessenen Fernsehnutzung auf digitale Fernsehprogramme.
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Die Versorgung von Satellitenhaushalten mit Fernsehprogrammen erfolgt in Deutschland maßgeblich durch die Satellitenbetreiber SES ASTRA S.A. (Luxemburg) und Eutelsat S.A. (Frankreich).
SES ASTRA ist ein 100%iges Tochterunternehmen der SES S.A., dem weltweit führenden Anbieter von Satellitenkommunikationsdiensten. 2001 übernahm SES die Satellitenflotte GE AMERICOM von General Electric. Im Zuge der Akquisition wurde SES S.A. (bis 2006 SES Global) als Dachgesellschaft für die beiden Satellitenbetreibergesellschaften SES ASTRA und SES WORLD SKIES gegründet. Das Aktienkapital der SES S.A. wird nach zwei Aktionärsgruppen unterschieden: Aktien der Klasse A und Aktien der Klasse B. Bei den Inhabern der Aktien der Klasse A handelt es sich um private Investoren. Die Aktien der Klasse B werden nicht frei gehandelt und stehen im Eigentum des Staates Luxemburg oder gehören Unternehmen, bei denen der Staat Luxemburg Eigentümer ist.
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Mit einer Flotte von derzeit 50 Satelliten auf 26 Orbitalpositionen erreicht die SES-Gruppe nach eigenen Angaben 99 % der Weltbevölkerung. Zum Jahresende 2011 strahlte SES weltweit über 5.200 Fernsehsender, darunter mehr als 1.200 HDTV-Sender, sowie fast 1.000 Radiokanäle aus (Quelle: Satelliten Monitor 2011). Mit einer Flotte von etwa 30 Satelliten erreicht SES WORLD SKIES einen Großteil der Bevölkerung in den USA, Lateinamerika, Afrika, im Nahen Osten sowie im asiatisch-pazifischen Raum.
In Europa werden über das ASTRA-Satellitensystem rund 142 Mio. TV-Haushalte – das sind mehr als die Hälfte (57 %) aller europäischen Fernsehhaushalte – versorgt. Davon sind 62 Mio. Satelliten-, rund 70 Mio. Kabel- und 10 Mio. IPTV-Haushalte. Nach eigenen Angaben generiert SES in Europa derzeit fast 60 % der Umsätze.
In Deutschland versorgt SES ASTRA über die Orbitalposition 19,2° Ost nahezu 17 Mio. bzw. 98 % der Satellitenhaushalte. Derzeit sind mehr als 260 deutschsprachige Programme, darunter 37 Programme in HD-Qualität, über ASTRA zu empfangen. HD+, die HDTV-Plattform von SES ASTRA, nutzten zum Jahresende 2011 2,3 Mio. Zuschauer. Davon befanden sich 1,9 Mio. noch in der Gratisphase, die anderen 0,4 Mio. Zuschauer nutzen den Dienst bereits gegen eine Gebühr.
Eutelsat S.A. ist neben ASTRA ein für Deutschland und Europa bedeutender Satellitenbetreiber, über dessen Flotte von rund 30 Satelliten derzeit mehr als 4.000 Fernseh- und 1.100 Radioprogramme übertragen sowie etwa 190 Mio. Kabel- und Satellitenhaushalte erreicht werden (Quelle: www.eutel-sat.com). An der Eutelsat S.A. ist zu 96,11 % die Eutelsat Communications S.A., die Holdinggesellschaft der Eutelsat S.A., beteiligt; 3,89 % der Anteile entfallen auf andere Aktionäre (Quelle: Eutelsat Communications S.A., Document de référence 2009 – 2010; Stand 30.06.2010). In Deutschland wird die Eutelsat S.A. durch die Holdinggesellschaft Eutelsat Services und Beteiligungen GmbH, Köln, repräsentiert, die sämtliche Anteile an der Programmplattformbetreiberin Eutelsat visAvision GmbH hält.
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Angaben zu den Marktanteilen der Satellitenbetreiber auf dem Markt für die Bereitstellung von Transponderkapazitäten für den Satellitendirektempfang (Direct-to-Home, DTH) liegen für Deutschland oder den deutschsprachigen Raum nicht vor. Auch die marktbeherrschende Stellung des Marktführers SES ASTRA lässt keinen Schluss auf den deutlich geringeren Marktanteil für Eutelsat zu. Der Grund dafür ist die Anzahl sogenannter Dual-Feed-Antennen. Hierbei handelt es sich um Antennen, die mehr als eine Orbitalposition für den Empfang von Fernsehprogrammen nutzen. Dabei wird insbesondere die Eutelsat-Hot-Bird-Position gleichzeitig mit der ASTRA-Position genutzt. Auch Kabelnetzbetreiber empfangen die Satellitenprogramme zur Einspeisung in ihre Kabelnetze zumeist über eine Vielzahl von Empfangsantennen, die in der Regel die Orbitalpositionen ASTRA 19,2° Ost und 23,5° Ost sowie Eutelsat Hot Bird 13° Ost abdecken.
Das Kabelfernsehnetz wurde in den 1980er Jahren von der Deutschen Bundespost verlegt. Aus dieser ist später die Deutsche Telekom als alleiniger Provider hervorgegangen. Diese Monopolstellung der Deutschen Telekom wurde 1997 erstmals von der Monopolkommission beanstandet. Auch auf Druck der EU-Kommission begann die Deutsche Telekom aus kartellrechtlichen Gründen, das Kabelnetz schrittweise im Zeitraum von 2000 bis 2003 an private Kabelnetzbetreiber wie Kabel Deutschland, Unitymedia und Kabel BW zu verkaufen. Seitdem ist der deutsche Kabelmarkt von Gesellschafterwechseln und Konsolidierungsbemühungen der Netzbetreiber geprägt. Ende 2011 hat das Bundeskartellamt die Fusion von Kabel BW und Unitymedia genehmigt. Nunmehr besteht auf der Netzebene 3 ein Duopol von Kabel Deutschland und Liberty Global.
Strukturell ist das Breitbandkabelnetz in Deutschland in 4 Netzebenen (NE) unterteilt. Von besonderer Bedeutung sind die Netzebenen 3 und 4, deren Trennung historisch-institutionelle Gründe hat. Die NE 4, die den Betrieb des Kabelnetzes im Haus selbst umfasst, wurde in den 1980er Jahren vom Netz der damaligen Deutschen Bundespost abgetrennt und kleineren sowie mittleren Unternehmen übergeben (sogenannte „Handwerkererklärung“). Die Kabelnetzbetreiber der NE 4 beziehen die Signale zum Großteil von den jeweils in der Region tätigen NE-3-Betreibern. Einige NE-4-Betreiber haben jedoch zwischenzeitlich eigene NE-3-Abschnitte mit eigenen Kabelkopfstationen aufgebaut und sich somit von den NE-3-Betreibern unabhängig gemacht.
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Die Kabel Deutschland Vertrieb und Service GmbH betreibt Kabelnetze der Netzebene 3 in 13 Bundesländern (Rheinland-Pfalz, Saarland, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Bremen, Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) und versorgt in diesen Gebieten auch ca. ein Drittel der Kunden direkt (d. h. auf der Netzebene 4). Kabel Deutschland verfügt nach eigenen Angaben über rund 8,7 Mio. angeschlossene TV-Haushalte und ist damit der führende Kabelnetzbetreiber Deutschlands.
Die Unitymedia GmbH ist die Muttergesellschaft der NE-3-Betreiber Unitymedia Hessen GmbH & Co. KG und Unitymedia NRW GmbH sowie eine Tochtergesellschaft von Liberty Global, Inc. Unitymedia versorgt Nordrhein-Westfalen und Hessen mit Breitbanddiensten. Zum Jahresende 2011 wies das Unternehmen ca. 4,4 Mio. Kabelkunden (inkl. 1,7 Mio. Digital-TV-Abonnenten) aus. Die Kabel BW GmbH ist der größte Kabelnetzbetreiber in Baden-Württemberg. Nach eigenen Angaben verfügte Kabel BW im Jahr 2011 über rund 2,4 Mio. Kabelkunden auf der NE 3. Gemeinsam versorgen Unitymedia und Kabel BW rund 6,8 Mio. Kunden; die fusionierten Unternehmen sind nach Kabel Deutschland zweitgrößter Kabelnetzbetreiber Deutschlands.
In der Tele Columbus Gruppe sind mehrere regionale Kabelnetzbetreiber zu einem Verbund unter einheitlicher Führung und gemeinsamer Marke zusammengeführt. Alleiniger Gesellschafter der Tele Columbus Gruppe ist eine unabhängige Holdinggesellschaft mit Sitz in Luxemburg. Tele Columbus gehört zu den größten Kabelnetzbetreibern Deutschlands und versorgt derzeit nach eigenen Angaben rund 2,1 Mio. Kabel-TV-Haushalte in den Kerngebieten Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie in zahlreichen westdeutschen Schwerpunktregionen.
PrimaCom ist ein Kabelnetzbetreiber mit regionalen Schwerpunkten in Ostdeutschland (Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern) sowie zahlreichen westdeutschen Schwerpunktregionen. PrimaCom weist derzeit rund 1 Mio. Kabelhaushalte aus. Das operative Geschäft der PrimaCom-Gruppe wird durch eine Holding, die Primacom Management GmbH, geführt.
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Die großen Kabelnetzbetreiber bündeln und vermarkten auch eigene Pay-TV-Programme (siehe unter: Digitale Paketangebote von Plattformbetreibern). Hierzu betreiben sie die erforderlichen technischen Plattformen mit Grundverschlüsselung.
Im Jahr 2011 empfingen etwa 4,4 Mio. Haushalte ihr Fernsehsignal über DVB-T (Digital Video Broadcasting – Terrestrial) (Quelle: die Medienanstalten, Digitalisierungsbericht 2011). Der Marktanteil des terrestrischen Übertragungsweges liegt seit Jahren bei rund 11 % (unter Einbeziehung der Zweitgeräte in den Fernsehhaushalten; Marktanteil reiner DVB-T-Haushalte: rund 5 %). Die Terrestrik ist bereits zu 100 % digital, die letzten analogen terrestrischen Frequenzen wurden Ende November 2008 abgeschaltet.
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Die Nutzung von DVB-T als Rundfunkübertragungsweg ist abhängig vom Senderangebot. Während die öffentlich-rechtlichen Sender bundesweit zu empfangen sind, engagieren sich die privaten Anbieter vorwiegend in den Ballungsräumen. Die Privatsender können z. B. in den Regionen Berlin/Brandenburg, Halle/Leipzig, Hamburg/Bremen, Hannover/Braunschweig oder Düsseldorf/Köln/Bonn empfangen werden, somit sind dort deutlich mehr DVB-T-Haushalte zu verzeichnen als in den Regionen mit ausschließlich öffentlich-rechtlichem Senderangebot.
Die Technik im DVB-T-Standard lässt den Empfang von insgesamt bis zu 34 Fernsehprogrammen zu. Neben den öffentlich-rechtlichen und den großen privaten Sendern werden auch Sparten- und Lokalsender sowie Hörfunkprogramme übertragen. DVB-T ermöglicht den portablen und mobilen Empfang.
Eine Weiterentwicklung des digital-terrestrischen TV-Standards ist DVB-T2. DVB-T2 ermöglicht eine effizientere Nutzung der knappen terrestrischen Frequenzen und liefert eine robustere Signalstärke. Der DVB-T2-Standard führt in Kombination mit dem Videokompressionsstandard MPEG-4 zu einem Kapazitätsgewinn von etwa 45 %. Somit kann die Anzahl der übertragenen Fernsehsender erhöht und/oder die Qualität eines bestehenden Bouquets verbessert werden. Im Vergleich zum DVB-T-Standard eignet sich DVB-T2 besser zur Ausstrahlung von HDTV. In Kombination mit einem IP-basierten Rückkanal ist zudem hybrides Fernsehen (HbbTV) möglich.
In Deutschland wird DVB-T2 derzeit in einem Modellversuch in Niedersachsen erprobt. Projektpartner sind die Landesmedienanstalten NLM und MA HSH, öffentlich-rechtliche und private Fernsehanbieter, Media Broadcast und Unternehmen der Rundfunktechnik. Die technische Projektleitung obliegt dem Institut für Nachrichtentechnik der TU Braunschweig. Ziel der Projektgruppe ist es, neben der technischen Erprobung des DVB-T2-Standards ein Einführungsszenario zu entwickeln. Demnach soll DVB-T2 im Regelbetrieb ab 2014/2015 in Deutschland eingeführt werden (Quelle: TU Braunschweig, Institut für Nachrichtentechnik: Modellversuch DVB-T2 in Norddeutschland, Zwischenbericht, Berichtszeitraum 01.08.2009 – 31.12.2010).
IPTV (Internet Protocol TeleVision) stellt neben Terrestrik, Kabel und Satellit eine weitere (Fernseh-) Übertragungstechnik dar. Dabei werden audiovisuelle Inhalte über ein geschlossenes Netzwerk digital mittels Internetprotokoll übertragen. Der Empfang erfolgt über eine Set-Top-Box i. d. R. am Fernseher, wobei die Bild- und Tonqualität der des Digitalfernsehens über Kabel oder Satellit entspricht. Die IPTV-Angebote beinhalten lineare Fernsehprogramme, aber auch individuelle Abrufdienste sowie interaktive Zusatzdienste und stehen nur einem bestimmten Nutzerkreis (Abonnenten) zur Verfügung. In Deutschland wird IPTV bisher ausschließlich über breitbandige Internetanschlüsse (ADSL, ADSL2+ bzw. DSL 16plus oder VDSL) verbreitet. Für die Nutzung von Web-Angeboten in HDTV- oder 3D-Qualität sind Bandbreiten im zweistelligen Megabit-Bereich erforderlich. Nach Angaben des Branchenverbands BITKOM verfügten Mitte 2011 etwa 40 % der deutschen Haushalte über einen Breitbandanschluss mit mindestens 50 MBit/s. Davon nutzten allerdings weniger als 1 % der Haushalte diese Anschlüsse. Im Jahr 2014 sollen nach der Breitbandstrategie der Bundesregierung 75 % aller Haushalte einen Anschluss von mindestens 50 MBit/s erhalten können.
IPTV wird in Deutschland derzeit von den drei Telekommunikationsunternehmen Deutsche Telekom AG, Telefónica Germany GmbH & Co. OHG und Vodafone D2 GmbH angeboten. Die Unternehmen verfügten Ende 2011 insgesamt über ca. 1,78 Mio. IPTV-Abonnenten (2010: 1,1 Mio., 2009: 1,05 Mio., Quelle: Unternehmensangaben).
Die Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland, Unitymedia, Kabel BW, Tele Columbus und PrimaCom haben keine IPTV-Angebote. Im Rahmen der in Deutschland verfügbaren IPTV-Angebote sind Free-TV-Programme empfangbar, optional können Pay-TV-Pakete und Video-on-Demand-Dienste gebucht werden. Bei den Video-on-Demand-Angeboten handelt es sich um „digitale Videotheken“, in denen der Nutzer einzelne Filme, Serien o. ä. abrufen kann, wobei in der Regel der einzelne Abruf kostenpflichtig ist. Selbst wenn nur Free-TV-Programme empfangen werden, ist IPTV kostenpflichtig, da die Anbieter generell eine technische Bereitstellungsgebühr erheben. Insgesamt machen die Bereitstellungsgebühren für IPTV nur einen Teil der Gesamtkosten für den IPTV-Empfang aus, da in der Regel auch ein Breitbandinternetzugang des jeweiligen Anbieters erforderlich ist. Die Vermarktung von IPTV erfolgt derzeit hauptsächlich im Rahmen von „Triple-Play“-Angeboten (Telefonie, Breitbandinternet und Fernsehen). Durch die vollumfängliche Versorgung aus einer Hand soll eine möglichst starke Bindung des Kunden zu dem jeweiligen Anbieter hergestellt werden.
Die Nachfrage nach IPTV in Deutschland ist insgesamt noch verhalten (Marktanteil 2011: 3%). In europäischen Nachbarländern ist IPTV hingegen erfolgreich gestartet. So gibt es z. B. in Frankreich mittlerweile über 5 Mio. IPTV-Abonnenten. Ursache für die in Deutschland bisher zurückhaltende Nachfrage nach IPTV ist einerseits der Wettbewerb zwischen IPTV und den etablierten Fernsehübertragungswegen Kabel, Satellit und Terrestrik. Andererseits ist der Breitbandausbau in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern noch nicht sehr weit vorangeschritten. Die stetig zunehmende Versorgung mit Breitband-Internetanschlüssen ermöglicht es aber zukünftig weiteren Haushalten, IPTV zu empfangen. Damit verfügt IPTV über das Potential, sich als vierter TV-Übertragungsweg zu einer ernsthaften Konkurrenz für die bestehenden Distributionskanäle zu entwickeln.
Stand: Mai 2012
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