Navigation

Medienkonzentration

Medienrelevante verwandte Märkte

Druckversion

Online-Medien

Bedeutung
Internet als Übertragungsmedium
Marktstruktur

Daten über die Reichweite unterschiedlicher Online-Auftritte

PDF-Datei

Daten über die Verweildauer

PDF-Datei

Bedeutung

Die Anbieter der klassischen elektronischen Medien Radio und Fernsehen sind auch im Internet mit Online-Angeboten vertreten. Ihre Präsenz im Internet stellt eine Cross-Ownership-Verflechtung dar. Bei den medienkonzentrationsrechtlichen Prüfungen durch die KEK können Online-Angebote mit redaktionell gestalteten Inhalten relevant sein, wenn diese Medieninhalte von Fernsehveranstaltern oder von mit Fernsehveranstaltern verbundenen Unternehmen angeboten werden.

Medienhäuser, insbesondere Verlage und Fernsehveranstalter, sind typische Anbieter von Inhalten im Internet. Die Nutzungszahlen zeigen aber, dass sich die Strukturen der Fernseh- und Pressebranche nicht einfach auf das Internet übertragen. Durchaus mit den Onlineinhalten von Medienhäusern vergleichbare Inhalte bieten auch Internet Service Provider (ISP) und Betreiber von Suchmaschinen an. Beispiele sind Google, Yahoo!, Lycos, Freenet.de, T-Online, AOL, Tiscali oder Arcor.

Suchmaschinen beeinflussen über die Art und Weise der Erstellung von Trefferlisten, durch Such- und Ordnungskriterien, Rangfolgen oder Empfehlungen die Auswahlentscheidungen der Nutzer. Internettechnologieunternehmen wie die ISPs können eigene redaktionelle Online-Auftritte gestalten und dadurch bei den Inhalten mit den Webseiten der traditionellen Medienanbieter konkurrieren. Ein ISP kann als Anbieter für internetspezifische Technologien und für mit dem Zugang zum Internet verbundene technische Dienstleistungen begriffen werden, der das Eingangstor zum Internet bereitstellt. Für die Inhalte gehen ISPs auch Kooperationen mit Unternehmen der Medienbranche ein. Die jüngsten Entwicklungen zeigen jedoch, dass Medienhäuser trotz der gegenseitig nutzbaren Synergieeffekte zunehmend selbst in digitale und multimediale Angebote investieren und auf eigene Plattformen setzen. So beendete die Axel Springer AG Ende 2007 ihre Kooperation zwischen T-Online, dem ISP der Deutsche Telekom AG, und dem Online-Angebot der Zeitung Bild (bild.t-online.de).

Als Anbieter des Internetzugangs kann der ISP möglicherweise die Eingangstür zum Internet kontrollieren. Jedenfalls eröffnet es ihm die Möglichkeit, seine Webseiten so zu gestalten, dass seine Zugangskunden bei ihm länger verweilen, weil sie bei ihm auch interessante Inhalte finden. Darüber hinaus kann der ISP die bevorzugte Nutzung seiner Inhalteangebote noch forcieren, weil er für den Zugang zum Internet seinen Kunden eine eigene Internetzugangssoftware einschließlich Browser mitliefert.

Internet als Übertragungsmedium

Die zunehmende Verbreitung von schnellen Breitbandanschlüssen (z. B. ADSL2, VDSL) und neue Kompressionsmethoden beschleunigen die Entwicklung der Übertragung von Bewegtbildern, Fernsehprogrammen und fernsehähnlichen Diensten über das Internet. Derzeit wird für das Fernsehen über das Internet keine einheitliche Terminologie verwendet. Häufig wird in diesem Zusammenhang von IPTV, Internetfernsehen oder Web-TV gesprochen. Eine Abgrenzung zwischen IPTV einerseits und Web-TV bzw. Internetfernsehen andererseits ist jedoch notwendig.

Unter IPTV (Internet Protocol Television) wird die digitale Übertragung von Fernsehprogrammen und Filmen via Internet mittels eines geschlossenen Datennetzes verstanden. Dabei wird ein Übertragungsstandard in Fernsehqualität (vereinzelt auch HDTV) garantiert. Im Rahmen eines Abonnements muss der Empfänger für die technische Bereitstellung und zum Teil für die Sendeinhalte bezahlen. Als IPTV sind sowohl öffentlich-rechtliche und private Free-TV-Programme als auch Pay-TV-Programme empfangbar.

In Deutschland bieten derzeit die drei Telekommunikationsunternehmen Deutsche Telekom AG, HanseNet Telekommunikation GmbH und Arcor AG & Co. KG IPTV im Rahmen von „Triple-Play“-Diensten an (siehe Markt für technische und administrative Dienstleistungen für digitales und Pay-TV, Digitale Programmplattformen). Die Deutsche Telekom AG startete ihr IPTV-Angebot „T-Home“ im Oktober 2006. Bereits seit dem Frühjahr 2006 bietet die HanseNet Telekommunikation GmbH klassisches Fernsehen über DSL unter dem Namen „Alice homeTV“ an. Nach einem Pilotprojekt im Mai 2007 mit 500 Personen startete die Arcor AG & Co. KG ihr IPTV-Angebot „Arcor-Digital TV“ Ende Oktober 2007.

IPTV bietet gegenüber der klassischen Rundfunkübertragung verschiedene Vorteile. Hierzu zählen neben der Interaktivität, die durch den Rückkanal entsteht, Timeshifting-Funktionen (zeitversetztes Fernsehen), elektronische Programmführer (EPG) und Video-on-Demand-Dienste, welche dem Zuschauer das individuelle Abrufen von Sendungen und Filmen ermöglichen. Ferner entfallen die technischen Begrenzungen der frequenzgebundenen Übertragung, was die Entwicklung zahlreicher Spartenprogramme ermöglicht. Ungeachtet dieser Vorteile ist die Nachfrage nach IPTV noch recht zögernd. Bis Ende März 2008 nutzten lediglich rund 200.000 Kunden die IPTV-Angebote der Deutsche Telekom AG, der HanseNet Telekommunikation GmbH und der Arcor AG & Co. KG. Aufgrund der weiter steigenden DSL-Penetrationsrate hat IPTV jedoch das Potenzial, als vierter Übertragungsweg zu einer ernsthaften Konkurrenz für die bestehenden TV-Distributionswege in Deutschland zu werden.

Web-TV bzw. Internet-Fernsehen, welches im Unterschied zu IPTV über das offene Internet zu empfangen ist, wird direkt auf den Seiten der einzelnen Anbieter oder über Plattformprogramme, wie z. B. Joost oder Zattoo, abgerufen. In der Regel ist es kostenfrei. Die Qualität der Übertragung ist tendenziell schlechter als bei IPTV, weil es in einer geringeren Auflösung gesendet wird. Beim Web-TV lässt sich eine stetig wachsende Zahl von Programmen ausmachen. Dabei werden in erster Linie diverse Sparten, wie z. B. Sport, Musik und Computerspiele, thematisch abgedeckt. Beispiele für Web-TV-Sender sind ADAC TV, Worm TV und Dhd24.tv.

Marktstruktur

Für eine Untersuchung der Online-Angebotstruktur und der Bedeutung einzelner Anbieter für die Nutzer des Internets kann die folgende Unterscheidung zwischen verschiedenen, für das Internet relevanten Märkten sinnvoll sein:

-  Anbieter des technischen Internetanschlusses (Teilnehmeranschlussleitung (TAL),
-  dem Markt für Internet-Zugangs-Anbieter (Internet Service Provider, Access Provider),
-  dem Angebot von Inhalten im Internet.

Stand: Juli 2008