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Medienkonzentration

Medienrelevante verwandte Märkte

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Programmzeitschriften

Bedeutung

Verpflechtungen von Programmzeitschriftenverlagen und Fernsehveranstaltern

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Auflagen und Reichweiten

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Bedeutung

Im Rahmen der Vielfaltsicherung sind auch vertikale Verflechtungen von Fernsehveranstaltern und Eigentümern von Programmzeitschriften zu berücksichtigen. Dies hat das Bundesverfassungsgericht in seiner Entscheidung in Sachen DSF (BVerfGE 95, S. 163 (173)) ausdrücklich festgestellt.

Die Herausgabe einer Programmzeitschrift kann Teil der vertikalen Integrationsstrategie eines Fernsehveranstalters sein. Zugleich stellt sie sich aus der Sicht eines diversifizierten Medienkonzerns als ein Fall diagonaler Konzentration dar, bei der ein Unternehmen verschiedene Medienmärkte miteinander verknüpft. Dabei spielen u. a. Strategien eine bedeutende Rolle, die auf Synergievorteile in Form von Cross-Promotion abzielen. Unter Cross-Promotion ist im weitesten Sinne eine redaktionelle Überkreuzwerbung für unterschiedliche Produkte des Medienkonzerns zu verstehen.

Programmzeitschriften sind aufgrund ihres speziellen Fernsehbezugs gegenüber sonstigen Publikumszeitschriften gesondert zu betrachten. Der potenzielle Meinungseinfluss bezieht sich dabei unmittelbar auf die Programmauswahl: Neben der reinen Darstellung des Fernsehprogramms kann durch redaktionelle Teile, z. B. in Form von Spielfilmbewertungen oder Präsentationen von bestimmten Sendungen, Einfluss auf die Programmauswahl des Zuschauers genommen werden. Ein im Markt für Programmzeitschriften tätiges Verlagsunternehmen, das mit einem Fernsehveranstalter verflochten ist, hat also generell die Möglichkeit, eigene Fernsehprogramme bevorzugt darzustellen und deren Erfolgschancen am Markt zu erhöhen. Dies kann nicht nur bezogen auf einzelne Sendungen zu höheren Zuschaueranteilen, sondern mittel- und längerfristig auch zu einer Verstärkung der Publikumsbindung an bestimmte Programme führen. Der potenzielle Einfluss kann dabei zusätzlich verstärkt werden, sofern Wettbewerbsvorteile, wie etwa Zugriffsmöglichkeiten auf exklusives Bildmaterial und besondere Hintergrundinformationen, gewährt werden. Eine starke Stellung im Bereich der Programmzeitschriften ist für die Prüfung der Entstehung vorherrschender Meinungsmacht deshalb von besonderem Gewicht. Mit den Bauer- und Burda-Verlagsgruppen sind zwei der vier größten Verlage im Programmzeitschriftenmarkt auch an Veranstaltern von bundesweitem privaten Fernsehen beteiligt; der Springer- und der WAZ-Konzern halten Beteiligungen im Bereich des Ballungsraumfernsehen.

Dem Markt für Programmzeitschriften nicht zuzurechnen sind die wöchentlichen kostenlosen TV-Beilagen in Zeitschriften oder Zeitungen (so genannte Supplements). Diese Supplements zeichnen sich durch ein kleineres Format, einen geringeren Umfang der Berichterstattung und insbesondere einen dünnen redaktionellen Mantel aus.

Informationen zum Fernsehprogrammangebot liefern darüber hinaus u. a. Zeitungen, Zeitschriften, Internetangebote von Verlagen und Fernsehsendern, Videotextseiten sowie im Bereich des digitalen Fernsehens elektronische Programmführer. Erhebliche Einflussmöglichkeiten ergeben sich insbesondere aus der begleitenden Berichterstattung sowie den Programmempfehlungen und -kritiken der Tages- und Sonntagszeitungen. Dies gilt in besonderem Maße für die mit einer durchschnittlichen verkauften Auflage von 2,9 Mio. (IVW I/2011) und einer Reichweite von 12,53 Mio. Lesern (Personen ab 14 Jahren, MA 2011 Pressemedien I) bundesweit verbreitete und über eine starke Kampagnenfähigkeit verfügende Boulevard-Zeitung BILD der Axel Springer AG (vgl. Beschluss der KEK i. S. Axel Springer AG/ProSiebenSat.1 Media AG, Az.: KEK 293-1 bis -5, unter I 7.2.1 und IV 3.2.2).

Zwar sind die Auflagenzahlen der Programmzeitschriften insgesamt rückläufig. Derzeit ist jedoch nicht erkennbar, dass sie als Informationsquelle der Zuschauer bereits maßgeblich an Bedeutung verloren hätten. Sie erreichen nach wie vor ein hohes Auflagenniveau und stellen die reichweitenstärkste Gattung unter den Publikumszeitschriften dar. Ob bei Fortschreiten der Digitalisierung und der damit verbundenen Vergrößerung des Programmangebots weniger auf Programmzeitschriften und mehr auf elektronische Programmführer zurückgegriffen wird, ist noch nicht absehbar. Möglicherweise erfolgt auch eine parallele Nutzung aufgrund unterschiedlicher Nutzungsinteressen (z. B. langfristige Planung mit gedruckten Programmübersichten, Nutzung der elektronischen Programmführer bei spontaner Programmsuche).

Stand: Mai 2011