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Die Bedeutung des Sports für die Meinungsvielfalt ergibt sich aus seiner wichtigen Funktion als Gegenstand der Meinungsbildung, der Identifikation und der öffentlichen Kommunikation. Berichte über herausragende Sportereignisse gehören nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zur Information im Sinne des klassischen Rundfunkauftrags. Einer Monopolisierung der Berichterstattung bei einem einzelnen Rundfunkveranstalter ist d aher entgegenzuwirken. Entwicklungen auf dem Markt für Sportübertragungsrechte sind auch aufgrund der besonderen Gefahren durch vertikale Konzentration zwischen den Inhabern dieser Rechte und den Fernsehveranstaltern zu berücksichtigen.
Übertragungsrechte an massenattraktiven Sportereignissen sind für Fernsehveranstalter im Wettbewerb um Zuschaueranteile und damit für ihre Marktstellung von großer strategischer Bedeutung. Der wirtschaftliche Wert dieser Rechte ist zudem wegen ihrer Knappheit hoch. Massenattraktive Sportveranstaltungen sind in ihrer Zahl begrenzt und die TV-Rechte daran nur kurzfristig verwertbar. Direktübertragungen bzw. Erstverwertungen sind besonders zuschauerattraktiv; die weitere Verwertung durch Aufzeichnungen und Kurzberichte ist noch während einer begrenzten Zeitspanne von Interesse.
Neben den stets populären Sportereignissen, wie Spitzenfußball und Olympische Spiele, können sich auch Randsportarten zu Magneten für das Fernsehpublikum entwickeln. Zurückzuführen ist dies nicht nur auf die Teilnahme erfolgreicher deutscher Sportler zurück, sondern auch auf die jeweilige Fernsehinszenierung als „Event“. Wechselbeziehungen zwischen Spitzensport und Fernsehen ergeben sich aus der finanziellen Abhängigkeit der Vereine von den Fernseheinnahmen und den vom Fernsehauftritt indirekt abhängigen Einnahmen, vor allem den Sponsorengeldern. Umgekehrt wird Sportinhalten eine wichtige Funktion als Antriebsfeder für die Entwicklung der Medienmärkte zugeschrieben: in der Vergangenheit für die Etablierung der Veranstalter werbefinanzierten Fernsehens, gegenwärtig für die Entwicklung des Pay-TV und die Durchsetzung neuer kostenpflichtiger Angebote auf IPTV- und Mobile-TV-Plattformen.
Der Stellenwert von Sportprogrammen im Fernsehen zeigt sich an den Spitzenreichweiten, die Übertragungen populärer Sportereignisse erzielen. So waren sieben der zehn quotenstärksten Ausstrahlungen des Jahres 2009 Sportsendungen (drei Fußball-EM-Qualifikationsspiele, ein weiteres Fußball-Länderspiel und drei Boxwettkämpfe). Auf Platz eins lag das Fußball-WM-Qualifikationsspiel Russland gegen Deutschland (12,46 Mio. Zuschauer), auf Platz zwei Wetten, dass...? (11,31 Mio. Zuschauer) und auf Platz drei der Boxkampf Klitschko gegen Johnson (11,18 Mio. Zuschauer).1
Im Jahr 2010 erreichte das von der ARD übertragene Halbfinale der Fußball-WM zwischen Deutschland und Spanien mit 31,1 Mio. Zuschauern (83,0 % Zuschaueranteil) die höchste jemals seit Einführung der personenbezogenen Reichweitenmessung im Jahr 1975 gemessene Reichweite. Die Viertelfinalbegegnung Deutschland gegen Argentinien im ZDF erreichte einen Zuschaueranteil von 89,0 % (26,0 Mio. Zuschauer). Sowohl die Sehbeteiligung von 31,1 Mio. Zuschauern als auch der Zuschaueranteil von 89,0 % sind Rekordwerte nicht nur für Übertragungen bei einer Fußball-WM, sondern für Fernsehsendungen in Deutschland insgesamt. 61,88 Mio. Zuschauer, das heißt 85,7 % aller potenziellen Fernsehzuschauer in Deutschland, sahen mindestens eines der Spiele der Fußball-WM 2010 live im frei empfangbaren Fernsehen.2 Diese Zahlen umfassen noch nicht die zahlreichen Zuschauer, welche die WM-Spiele außerhalb ihres Haushalts, etwa bei Freunden, in Gaststätten oder vor unter freiem Himmel aufgestellten Fernsehgeräten und Großleinwänden im sog. „Public Viewing“ verfolgten. Zur Außer-Haus-Nutzung bei der WM 2010 wurde eine Zusatzbefragung durchgeführt, bei der in sieben Befragungswellen bei 1.000 Befragten ab 14 Jahren ermittelt wurde, wo diese die WM-Spiele gesehen haben. Die ermittelten Zahlen können nicht zu den von der AGF/GfK ermittelten Zuschaueranteilen addiert werden, da es sich um bloße Kontakt- bzw. Bruttowerte handelt. Sie lassen jedoch den Schluss zu, dass die meistgesehenen Spiele der deutschen Mannschaft letztlich ein Publikum von deutlich über 40 Mio. aufwiesen.3
Live-Übertragungen von Spielen der Fußball-Weltmeisterschaften und Europameisterschaften unter Beteiligung des deutschen Teams haben generell eine überragende Zuschauerakzeptanz. Ebenfalls zuschauerattraktiv, wenn auch mit deutlichem Abstand, sind Übertragungen der Olympischen Sommer- und Winterspiele, von Boxwettkämpfen und Rennen der Formel 1. Die beste Zuschauerquote bei den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver erreichte mit 10,01 Mio. Zuschauern (29,4 % Zuschaueranteil) die Übertragung der Biathlon-Staffel der Damen. Die Live-Übertragungen der Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking von ARD und ZDF, die aufgrund der Zeitverschiebung zwischen 2:00 Uhr nachts und 16:00 Uhr ausgestrahlt wurden, erreichten im Durchschnitt 1,96 Mio. Zuschauer; dies entspricht einem durchschnittlichen Zuschaueranteil von 24,4 %. Die meisten Zuschauer hatte die Eröffnungsfeier (7,71 Mio., Zuschaueranteil 52,4 %).4 Den Formel-1-WM-Sieg von Sebastian Vettel am 14.11.2010 verfolgten bei RTL im Durchschnitt 10,27 Mio. Zuschauer, der Zuschaueranteil lag bei 52 %. Der Durchschnitt für alle 19 Rennen lag bei 6,29 Mio. Zuschauern.5
| 1) | Quelle: Camille Zubayr, Heinz Gerhard, Tendenzen im Zuschauerverhalten, Media Perspektiven 3/2010; allerdings war die meistgesehene Sendung 2009 mit 14,26 Mio. Zuschauern das TV-Duell der beiden Kanzlerkandidaten, wenn man die Reichweiten der fünf zeitgleich übertragenden Sender addiert. |
| 2) | Heinz Gerhard, Bernhard Kessler, Claudia Gscheidle, Die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 im Fernsehen, Media Perspektiven 9/2010. |
| 3) | s. o. Fn. 2 |
| 4) | Camille Zubayr, Heinz Gerhard, Olympia 2008 im Fernsehen, Media Perspektiven 10/2008. |
| 5) | Vgl. Pressemitteilung von RTL vom 15.11.2010. |
Stand: Februar 2011