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11/98 Symposium zur Zuschaueranteilserforschung in Potsdam
Unter dem Titel "Zuschaueranteile als Maßstab vorherrschender Meinungsmacht - Die Ermittlung der Zuschaueranteile durch die KEK nach § 27 des Rundfunkstaatsvertrages" fand am 24. November 1998 ein von der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) veranstaltetes wissenschaftliches Symposium statt. An der Zusammenkunft in Potsdam nahmen die Mitglieder der Kommission und annähernd 100 Personen aus Wissenschaft, Medien- und Marktforschungsinstituten, Fernsehsendern, Werbeagenturen, werbetreibenden Unternehmen, Landesmedienanstalten, Unternehmens- und Rechtsberatung, Banken und Presse teil.

Das Symposium dient der Vorbereitung der öffentlichen Ausschreibung zur Ermittlung der Zuschaueranteile. Gemäß § 27 Abs. 2 des Rundfunkstaatsvertrages (RStV) beauftragen die Landesmedienanstalten nach Maßgabe einer Entscheidung der KEK ein Unternehmen mit der Ermittlung der Zuschaueranteile, die nach allgemein anerkannten wissenschaftlichen Methoden durchzuführen ist.

Die wissenschaftlichen Vorträge im Rahmen des Symposiums führten zu einer regen Diskussion. Der einleitende Vortrag von Prof. Dr. Max Kaase vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung hatte die Relevanz der Zuschaueranteile für die Meinungsbildung auf Grundlage der Medienwirkungs- und -nutzungsforschung zum Gegenstand. Danach "erweist sich eine pauschale Interventionsgrenze von 30 Prozent Zuschaueranteil für die Annahme des Vorhandenseins von vorherrschender Meinungsmacht privater Unternehmen(sgruppen) unter Wirkungsaspekten empirisch als nicht aussagefähig". Aus statistischer und erhebungsmethodischer Perspektive behandelte Prof. Dr. Gerhard Arminger von der Bergischen Universität Wuppertal die Bedeutung der Größe der Stichprobe zur Schätzung der Zuschaueranteile der Gesamtbevölkerung. Der gewünschte Grad der Genauigkeit und Sicherheit bestimmt die Stichprobengröße. Je größer die medienkonzentrationsrechtlich erforderliche Stichprobe, desto höher werden die Kosten der Ermittlung der Zuschaueranteile. Die Programmvervielfältigung, die neuen Empfangstechniken sowie die Segmentierung und Fragmentierung der Fernsehmärkte im Zuge der Einführung des digitalen Fernsehens stellen die heutigen und zukünftigen Hauptprobleme der Audience-Measurement-Technik dar. Hierauf hat der Leiter des Forschungsdienstes der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) und Berner Universitätsprofessor Dr. Matthias Steinmann in seinem Referat hingewiesen. Angesichts des Strukturwandels im Bereich der elektronischen Massenmedien wird in Zukunft die Meßtechnologie der Schlüsselfaktor für realitätsnahe und zuverlässige Daten über das Nutzungsverhalten der Fernsehzuschauer.

Am Nachmittag brachte die Vorstellung verschiedener Erhebungssysteme einen diskussionsreichen und informativen Meinungsaustausch zwischen den Teilnehmern hervor. Die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) und die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) stellten gemeinsam das derzeit in Deutschland praktizierte System zur Zuschaueranteilserhebung vor. A.C.Nielsen Werbeforschung S+P GmbH, infas Enermetric GmbH, quote Jens Wiedeck GmbH & Co. Einschaltquoten-Ermittlungs-KG und Media Intelligence GmbH präsentierten alternative Systeme zur Erhebung der Zuschaueranteile.

Die Referate sowie die Diskussion werden dokumentiert. Sie dienen der Vorbereitung der Ausschreibung über die Zuschaueranteilsermittlung, die nach allgemeinen anerkannten wissenschaftlichen Methoden durchzuführen ist und den Grundsätzen der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit zu entsprechen hat.

Potsdam, 25.11.98