Ballungsraumfernsehen

Programmangebote

PDF-Datei

Nutzungsdaten

Bedeutung

Für die Zulassung von Fernsehveranstaltern und Fragen der Sicherung der Meinungsvielfalt auf lokaler und regionaler Ebene ist die jeweilige Landesmedienanstalt zuständig. Die Veranstaltung von Fernsehen unterhalb der bundesweiten Verbreitungsebene, etwa in der Form des Ballungsraumfernsehens, kann aber auch bei der medienkonzentrationsrechtlichen Beurteilung nach § 26 Abs. 2 RStV eine Rolle spielen.

Mit dem Begriff des Ballungsraumfernsehens werden Programme bezeichnet, deren Verbreitungsgebiet sich auf Regionen mit hoher Bevölkerungsdichte konzentriert. Zu den vom Marktforschungsunternehmen AC Nielsen abgegrenzten Ballungsräumen (Hamburg, Bremen, Hannover, Rhein-Ruhr, Rhein-Main, Rhein-Neckar, Stuttgart, Nürnberg, München, Berlin, Halle/Leipzig, Chemnitz/Zwickau, Dresden) gehören 13,2 % der Gesamtfläche der Bundesrepublik, in ihnen leben aber ca. 40 % der Gesamtbevölkerung.

Bei der Versorgung der Fernsehzuschauer mit lokalen Informationen sind die Veranstalter von Ballungsraumfernsehen starker Konkurrenz durch die Dritten Programme der ARD und die Regionalfenster im bundesweit verbreiteten privaten Fernsehen ausgesetzt. Die Erzielung ausreichender Einnahmen aus dem Verkauf von Sendezeiten an Werbetreibende stellt das Hauptproblem des Ballungsraumfernsehens dar. Bei der Generierung von regionalen und subregionalen Werbeerlösen konkurrieren die Veranstalter u. a. mit Tageszeitungen, Anzeigenblättern, Hörfunk und Lokalfernsehen. Wegen der gegenüber bundesweiten Fernsehangeboten deutlich geringeren technischen Reichweite ist auch das Erlöspotenzial aus überregionaler Werbung beschränkt. Dem soll durch die gemeinsame Vermarktung der einzelnen Sender im Verbund begegnet werden. Um die kombinierte Vermarktung zu ermöglichen, wird ca. 34 Stunden pro Woche Programm nach einem abgeglichenen Sendeschema („genreharmonisierte Programmstruktur“) gesendet.

Festzustellen ist ein zunehmendes Bestreben von Verlagen, mittels regionalem Fernsehen ihre regionalen Presseangebote zu unterstützen und zu ergänzen und somit die Verwertungskette zu verlängern. Ballungsraumfernsehen ist für Zeitungsverlage mittlerweile auch deshalb interessant, weil das finanzielle Risiko auf Grund von preiswerter Kamera- und Produktionstechnik kalkulierbar geworden ist. So hat beispielsweise die WAZ-Mediengruppe Lizenzen für regionale Fernsehangebote in insgesamt 14 Städten beantragt (darunter Köln, Aachen, Mönchengladbach, Dortmund und weitere Teile des Ruhrgebiets). Auch das Verlagshaus DuMont Schauberg hatte ursprünglich zusammen mit Germany 1 Media AG eine Lizenz für ein eigenes Lokalfernsehprogramm im Kölner Kabelnetz beantragt, war allerdings als dominierender lokaler Zeitungsverlag mit diesem Vorhaben bei der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) gescheitert. Gleichwohl ist DuMont, wie auch der Bonner Verlag H. Neusser, durch eine Beteiligung von jeweils 24,4 Prozent an Center-TV Köln in den regionalen Fernsehmarkt eingestiegen. Beteiligungen an Regionalfernsehanbietern halten zudem u. a. die Mediengruppe Rheinische Post (center.tv Düsseldorf), die Schwäbischer Verlag GmbH & Co. KG (Regio.TV Stuttgart), die Münchener Zeitungs-Verlag GmbH & Co. KG (München.TV, München.2) und die Axel Springer AG (tv.berlin).

Soweit mit Blick auf die Veranstaltung von bundesweitem Fernsehen die Veranstaltung von Ballungsraumfernsehen als medienrelevanter Markt zu prüfen ist, wird der Aspekt zu bedenken sein, dass Ballungsraumfernsehprogramme publizistisch bedeutsam sein können, sofern sie Zuschauer mit lokalen und regionalen Informationen versorgen und gemessen an der Größe des Verbreitungsgebiets hohe Reichweiten erzielen. Beteiligungen an Ballungsraumsendern bieten zudem Veranstaltern von bundesweitem Fernsehen eine weitere Verwertungsmöglichkeit für Programmrechte. Die Bildung eines überregionalen Verbunds von Ballungsraumsendern zwecks koordinierter Vermarktung und Programmgestaltung könnte die Einflussmöglichkeiten der beteiligten Gesellschafter oder Programmzulieferer auf ein Maß vergrößern, das der Veranstaltung von bundesweitem Fernsehen vergleichbar wäre. Derzeit werden aber lediglich einige Formate von mehreren Ballungsraumsendern ausgestrahlt.

Nutzungsdaten

Die Datengrundlage zu Zuschaueranteilen und Reichweiten der Ballungsraumsender ist derzeit unzureichend. Mangels vergleichbarer Daten und Bemessungsgrundlagen ist eine zuverlässige Gesamtschau zu den Nutzungsdaten der Ballungsraumsender zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht möglich. Zur groben Übersicht und Einstufung können jedoch die verfügbaren Nutzungsdaten herangezogen werden. Die Messung der „Seher gestern“1 (auch „Tagesreichweite“) und des „weitesten Seherkreises“2 über Telefonbefragung ist dabei nicht vergleichbar mit der GfK-Messung zur Ermittlung der Zuschauer- bzw. Marktanteile. Diese Reichweitenangaben erlauben keine Rückschlüsse auf die Höhe der Zuschaueranteile der Programme.

Für die von der G1 Media Vermarktungs GmbH vermarkteten Sender (Hamburg 1, tv.berlin, münchen.tv, rheinmaintv, center.tv Düsseldorf) werden ein weitester Seherkreis von zusammen 2,99 Mio. Personen sowie 858.000 Seher gestern ausgewiesen.3

Auf Hamburg 1 entfallen dabei in etwa ein weitester Seherkreis von 940.000 Personen und 358.000 Seher gestern.4

Nach der Funkanalyse Bayern 20075 erreicht münchen.tv einen weitesten Seherkreis von 620.000 Personen, münchen.2 von 135.000 Personen und Franken TV von 511.000 Personen6. München.tv verfügt über 167.000 Seher gestern, münchen.2 über 27.000 und Franken TV über 102.000 Seher gestern7.

rheinmaintv erzielt im Rhein-Main-Gebiet durchschnittlich 149.000 Seher gestern und in der Spitze bis zu 362.000 Seher gestern.8

center.tv Düsseldorf hat einen weitesten Seherkreis von 295.000 Personen sowie 75.000 Seher gestern.9

Damit verbleiben für tv.berlin rund 109.000 Seher gestern sowie ein weitester Seherkreis von tv.berlin und rheinmaintv zusammen von rund 1,135 Mio. Zuschauern.

Von den 2,5 Millionen Berlinern über 14 Jahre, die regelmäßig zwischen 18 und 24 Uhr fernsehen, schauen 550.000 regelmäßig auch FAB.10

1) Montag bis Freitag
2) Innerhalb der letzten zwei Wochen (Mo.-Fr.) einen der aufgeführten Sender gesehen.
3) PSEPHOS-Repräsentativerhebungen in den Verbreitungsgebieten der G1 Media Metropolenfernsehsender; Anfang Februar bis Mitte April 2007; insgesamt 10.105 Befragte; Random-Auswahl.
4) PSEPHOS-Repräsentativerhebung im Verbreitungsgebiet von Hamburg 1, Februar/März 2006, 4.150 Befragte.
5) Durch TNS Infratest MediaResearch im Auftrag der BLM und der privaten Rundfunkanbieter in Bayern.
6) Bevölkerung ab 14 Jahre in Bayern gesamt.
7) Bevölkerung ab 14 Jahre im jeweiligen Gesamtverbreitungsgebiet.
8) www.rheinmaintv.de/media-daten/datenfakten/
9) centertv.tp-pro.de/index.php/ueber_uns/; repräsentativen Reichweitenuntersuchung aus den Monaten Feb.–Apr. 2007.
10) forsa, Datenerhebung vom 4.-8. Dezember 2006, Datenbasis: 1.554 Befragte in Berlin.

Stand: September 2008

Seitenanfang