Medienkonzentration

Zuschaueranteile

Daten zu den Zuschaueranteilen

Zuschaueranteile 2015 in Prozent

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Bestimmung der Zuschaueranteile

Die Zuschaueranteile sind ein wesentliches Indiz bei der Beurteilung vorherrschender Meinungsmacht (§ 26 RStV). Regelungen zur Ermittlung der Zuschaueranteile sind in § 27 RStV enthalten. Demnach sind die Zuschaueranteile unter Einbeziehung aller deutschsprachigen Programme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und des bundesweit empfangbaren privaten Rundfunks mit Hilfe von repräsentativen Erhebungen bei Zuschauern ab Vollendung des dritten Lebensjahres nach allgemein anerkannten wissenschaftlichen Methoden zu ermitteln (ausführlicher siehe Konzentrationsbericht der KEK, 2000, S. 368 - 375).

Anwendung der Übergangsbestimmung des § 34 RStV
Gemäß der Übergangsbestimmung des § 34 Satz 1 RStV verwendet die KEK bei der Bestimmung der Zuschaueranteile die monatlichen Daten zu den Anteilen der Fernsehsender an der täglichen durchschnittlichen Sehdauer (Zuschauer ab drei Jahren, Mo. – So., 03:00 Uhr bis 03:00 Uhr). Die Sehdaueranteile werden im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) laufend von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) erhoben. In ihren Veröffentlichungen bezeichnet die AGF die Sehdaueranteile als Marktanteile.

Bei der AGF handelt es sich um einen Zusammenschluss der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF sowie der beiden privaten TV-Sendergruppen ProSiebenSat.1 Media SE und Mediengruppe RTL Deutschland zur Durchführung der kontinuierlichen quantitativen Fernsehzuschauerforschung in Deutschland. Im Rahmen des AGF-Fernsehpanels wird die Nutzung aller in der Bundesrepublik Deutschland empfangbaren Fernsehprogramme erfasst. Das Fernsehpanel stellt ein Abbild aller privaten Fernsehhaushalte in Deutschland dar. Es umfasst entsprechend den Anforderungen an eine repräsentative Stichprobe 5.000 täglich berichtende Haushalte, in denen fast 10.500 Menschen leben, und bildet damit die Fernsehnutzung von 75,08 Mio. Personen ab drei Jahren bzw. 38,19 Mio. Fernsehhaushalten ab (Stand: 01.01.2016). Die erhobenen Daten ermöglichen die genaue Analyse des Fernsehprogramms sowie der Werbung und stehen ausschließlich den Mitglieds- und Lizenzsendern der AGF zur Verfügung.

Einbeziehung fremdsprachiger Programme
Nach § 27 Abs. 1 Satz 1 RStV sind in die Ermittlung des für die Vermutungstatbestände des § 26 Abs. 2 RStV maßgeblichen Zuschaueranteils nur deutschsprachige Programme einzubeziehen. Der Gesetzgeber begründete die Ausklammerung fremdsprachiger Programme damit, dass ihr Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung in der Bundesrepublik Deutschland gering sei (vgl. amtliche Begründung zum 3. RÄndStV, § 27, 2. Absatz).

Die sich aus dem Grundrecht der Rundfunkfreiheit ergebenden Anforderungen an die Sicherung der Meinungsvielfalt beziehen sich jedoch nicht ausschließlich auf deutschsprachige Programme. Des Weiteren ist nicht auszuschließen, dass auch die bundesweit empfangbaren fremdsprachigen Programme für die Meinungsvielfalt und die öffentliche Meinungsbildung bedeutsam sind. Immerhin 45 % der Menschen mit Migrationshintergrund nutzen heimatsprachiges Fernsehen. Heimatsprachige Fernsehprogramme sind besonders bei Migranten türkischer Herkunft beliebt. So sehen 29 % aller Fernsehzuschauer mit türkischen Wurzeln ausschließlich türkischsprachige Fernsehprogramme (vgl. WDR, Migranten und Medien 2011). Auch eine einseitige Beeinflussung eines bestimmten Bevölkerungsanteils in Deutschland könnte unter besonderen Umständen Relevanz erlangen. Aus diesem Grund berücksichtigt die KEK in ständiger Spruchpraxis bei der Gesamtbeurteilung der Meinungsmacht von Unternehmen gemäß § 26 Abs. 1 RStV auch die bundesweit empfangbaren fremdsprachigen Programme.

Die Anzahl der in Deutschland zugelassenen bundesweit empfangbaren privaten fremdsprachigen Fernsehprogramme ist in den letzten Jahren stetig gestiegen; zum Jahresende 2015 gab es insgesamt 36 solcher Programme. Darüber hinaus ist eine wachsende Zahl von fremdsprachigen, in anderen Ländern lizenzierten Fernsehprogrammen bundesweit über Satellit oder im Rahmen der Angebote von Kabelnetzbetreibern zu empfangen.

Zuschaueranteile von Dritt- und Regionalfenstern
Bei der Ermittlung der Zuschaueranteile sind gemäß § 27 Abs. 1 Satz 1 RStV die von einem Veranstalter aufgrund einer eigenen Lizenz eigenständig konzipierten und veranstalteten Teile eines Gesamtprogramms, welche trotz ihrer zeitlichen Begrenzung Rundfunkprogramme i. S. d. § 2 Abs. 1 und 2 RStV (vgl. z. B. § 2 Abs. 2 Nr. 5 RStV) sind, zu berücksichtigen. Das Gleiche gilt für die von der DCTP Entwicklungsgesellschaft für TV Programm mbH („DCTP“) und der AZ Media TV GmbH (zuvor auch der News and Pictures Fernsehen GmbH & Co. KG) als „unabhängige Dritte“ veranstalteten Fensterprogramme im Rahmen der bundesweiten Vollprogramme SAT.1 und RTL Television.

Reichweite von Regionalfenstern

Die Reichweite der in den Hauptprogrammen SAT.1 und RTL Television veranstalteten Regionalfensterpro-gramme spielt bei der Bestimmung des Umfangs der nach § 31 RStV auszuschreibenden Sendezeiten für unabhängige Dritte eine Rolle: Nach § 31 Abs. 2 Satz 2 RStV können Regionalfensterprogramme mit maximal 80 Minuten pro Woche auf die grundsätzlich erforderlichen 260 Drittsendezeitminuten angerechnet werden. Die Anrechenbarkeit setzt dabei neben der redaktionellen Unabhängigkeit der Regionalfensterveranstalter voraus, dass die Regionalfenster 150 Minuten Sendezeit umfassen und 50 % der Fernsehhaushalte erreichen (§ 31 Abs. 2 Satz 3 RStV).

Der von § 31 Abs. 2 Satz 3 RStV vorgegebene unbestimmte Rechtsbegriff der „Reichweite“ von Regionalfenstern bezieht sich auf den Anteil der Fernsehhaushalte, in denen das Regionalfenster empfangen werden kann. „Empfangbarkeit“ in diesem Sinn bedeutet, dass ein im Haushalt befindliches Fernseh- oder sonstiges Empfangsgerät auf den Empfang von Programmen mit Regionalfenstern im Verbreitungsgebiet tatsächlich ausgerichtet ist (zur Auslegung vgl. Beschluss der KEK i. S. Drittsendezeiten bei SAT.1 – Zulassung von Drittfensterveranstaltern, Az.: KEK 136-2, II 3.1, sowie Beschluss der KEK i. S. Drittsendezeiten bei RTL Television – Auswahl von Drittfensterveranstaltern, Az.: KEK 159-2, II 2.3).

Die letzten Reichweitendaten für die RTL-Regionalfenster wurden der KEK durch die Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) im Rahmen des Prüfverfahrens zur Neuvergabe der Drittsendezeiten bei RTL Television (Ausschreibung von Drittsendezeiten, Az.: KEK 700-1) übermittelt. Die Reichweitenzahlen basieren auf dem AGF-Fernsehpanel zum Stichtag 01.01.2012 und wurden der NLM seitens RTL am 06.06.2012 zur Verfügung gestellt. Demnach lag die Reichweite der RTL-Regionalfenster im Juni 2012 bei 20,07 Mio. Fernsehhaushalten. Bei einer Basis von 36,04 Mio. Fernsehhaushalten entsprach dies einem Anteil von 55,69 %.

Im Rahmen des Prüfverfahrens zur Vergabe der Drittsendezeiten bei der Sat.1 SatellitenFernsehen GmbH (Ausschreibung von Drittsendezeiten, Az.: KEK 846-1) wurden der KEK durch die Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK) die Reichweitendaten für die SAT.1-Regionalfenster zur Verfügung gestellt. Es handelt sich um Daten der AGF, ergänzt durch Berechnungen der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) mit Stand 01.11.2013. Diese waren nach Auskunft der LMK Grundlage und Bestandteil der Beschlussfassung der ZAK vom 21.01.2014 zur Feststellung hinsichtlich der Voraussetzungen des § 25 Abs. 4 Satz 1 RStV. Nach diesen Daten und Berechnungen lag die Reichweite der SAT.1-Regionalfenster im November 2013 bei 21,99 Mio. Haushalten, was bei einer Basis von 36,24 Mio. Haushalten einem Anteil von rund 60,7 % entspricht. Ergänzend hat die LMK eine aktuelle „Potenzialübersicht nach Bundesländern“ der AGF mit Stand vom 01.01.2015 vorgelegt. Diese aktuelle Übersicht weist gegenüber den Reichweitendaten vom 01.11.2013 bei den TV-Haushalten eine Steigerung von 36,24  Mio. auf 37,01 Mio. auf.

Stand: Dezember 2015