Fernsehnutzung

Das Fernsehen ist nach wie vor das meistgenutzte und meinungsrelevanteste Medium. Die Sehdauer ist auf hohem Niveau relativ stabil. Allerdings gewinnen Bewegtbildangebote im Internet wie Mediatheken, Streaming oder Video-on-Demand insbesondere in jüngeren Zielgruppen an Bedeutung.

Nach Angaben der AGF Videoforschung betrug im Jahr 2020 in der Gesamtbevölkerung die durchschnittliche tägliche TV-Sehdauer 220 Minuten (2019: 211 Minuten). Eine durchschnittliche Verweildauer der TV-Seher von 331 Minuten pro Tag (2019: 319 Minuten) und eine Tagesreichweite des Fernsehens von 72,0 Prozent (2019: 69,8 Prozent) bei den Zuschauern ab 14 Jahren belegen die intensive Fernsehnutzung. Im Vergleich zum Vorjahr ist 2020 bei allen TV-Nutzungswerten ein Anstieg zu verzeichnen, was auf die besondere Situation während der Corona-Pandemie zurückzuführen ist. Unabhängig davon, variiert die Fernsehnutzung je nach Alter und Lebensphase. Während bei den älteren Generationen die Sehdauer kontinuierlich steigt, sinkt sie seit einigen Jahren bei den jüngeren Altersgruppen immer mehr ab. In der Gruppe der 14- bis 29-Jährigen betrug die TV-Sehdauer 2020 75 Minuten pro Tag, 2019 waren es noch 82 Minuten pro Tag. Die Jüngeren konsumieren verstärkt Videoangebote im Internet. Wie sich der Rückgang der linearen Fernsehnutzung in den nächsten Jahren aufgrund der demographischen Entwicklung gestalten wird, ist derzeit noch nicht sicher prognostizierbar. Die KEK analysiert diese Entwicklung insbesondere unter medienkonzentrationsrechtlichen Aspekten bzw. hinsichtlich der Auswirkungen auf die Vielfaltssicherung im privaten Fernsehen.

Entwicklung der TV-Sehdauern nach Altersgruppen
pro Tag/Person, in Minuten

Entwicklung der TV-Sehdauern nach Altersgruppen  pro Tag/Person, in Minuten

Quelle: AGF Videoforschung in Zusammenarbeit mit GfK; eigene Darstellung KEK

Programmangebot

Das Programmangebot in Deutschland ist sehr vielfältig. Nach Angaben der TV-Senderdatenbank sind mehr als 200 private Fernsehprogramme mit bundesweiter Zulassung auf Sendung. Die Zahl der privaten TV-Angebote steigt kontinuierlich, da immer mehr Streaming-Anbieter eine Zulassung beantragen. Hinzu kommen die Programme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, regionale bzw. lokale Fernsehprogramme, Teleshoppingsender oder Programme mit einer ausländischen Lizenz. Insbesondere Zielgruppensender gewinnen an Bedeutung. Auch Angebot und Akzeptanz bezahlpflichtiger TV-Angebote wachsen.


Entwicklung des bundesweit empfangbaren privaten TV-Angebots

Entwicklung des bundesweit empfangbaren privaten TV-Angebots

Quelle: KEK, Mediendatenbank

Zuschaueranteile

Die Marktposition der großen Fernsehsender bleibt weitestgehend stabil. Seit Jahren erreichen nur die beiden öffentlich-rechtlichen Programme Das Erste und ZDF einen durchschnittlichen Zuschaueranteil von mehr als 10 Prozent. Im Jahr 2020 war mit 13,6 Prozent das ZDF erneut Marktführer vor dem Ersten Programm der ARD mit 11,3 Prozent. Die beiden meistgenutzten privaten Programme RTL und SAT.1 erreichten im Jahresdurchschnitt 2020 Zuschaueranteile von 8,1 Prozent bzw. 5,7 Prozent. Daneben gehörten VOX mit einem Zuschaueranteil von 4,8 Prozent, ProSieben mit 4,0 Prozent, Kabel Eins mit 3,5 Prozent und RTL ZWEI mit 2,7 Prozent zu den zuschaueranteilsstärksten Programmen im deutschen Fernsehmarkt.

Zuschaueranteile Kreisdiagramm

Zuschaueranteile Tabelle

Zuschaueranteile und Meinungsmacht

Die zentrale Bestimmung zur Sicherung der Meinungsvielfalt im bundesweit verbreiteten Fernsehen stellt § 60 MStV dar. Danach ist es einem Unternehmen erlaubt, selbst oder durch ihm zurechenbare Unternehmen bundesweit im Fernsehen eine unbegrenzte Anzahl von bundesweiten Fernsehprogrammen zu veranstalten, solange es nicht dadurch vorherrschende Meinungsmacht erlangt. Der Begriff der „vorherrschenden Meinungsmacht“ ist im Wesentlichen an den vom einzelnen Fernsehveranstalter erreichten Zuschaueranteil oder einen diesem entsprechenden oder gleichwertigen Sachverhalt geknüpft.

Regelungen zur Ermittlung der Zuschaueranteile sind in § 61 MStV enthalten. Demnach sind die Zuschaueranteile unter Einbeziehung aller deutschsprachigen Programme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und des bundesweit empfangbaren privaten Rundfunks mit Hilfe von repräsentativen Erhebungen bei Zuschauern ab Vollendung des dritten Lebensjahres nach allgemein anerkannten wissenschaftlichen Methoden zu ermitteln.

Die KEK ist für die Ermittlung der den Unternehmen jeweils zurechenbaren Zuschaueranteile zuständig (§ 105 Abs. 3 MStV). Dafür verwendet die KEK gemäß der Übergangsbestimmung des § 120 Satz 1 MStV vor allem die von der Arbeitsgemeinschaft Videoforschung (AGF) in Kooperation mit der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) erhobenen und veröffentlichten Zuschaueranteile (Sehdaueranteile, Marktanteile; Basis: Zuschauer ab drei Jahren).

Werden die Programme ihren jeweiligen Sendergruppen zugerechnet, dominiert der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit einem Zuschaueranteil von insgesamt 49,0 Prozent im Jahresdurchschnitt 2020. Die der Mediengruppe RTL Deutschland zuzurechnenden Programme erreichten einen gemeinsamen Zuschaueranteil von 22,4 Prozent und die Programme der ProSiebenSat.1-Gruppe 17,2 Prozent. Auf alle anderen Programme entfiel ein Zuschaueranteil von insgesamt 11,4 Prozent.

 


Entwicklung der Zuschaueranteile der Sendergruppen (in Prozent)

Entwicklung der Zuschaueranteile der Sendergruppen (in Prozent)

Quelle: AGF Videoforschung in Zusammenarbeit mit GfK, Zuschauer gesamt, eigene Darstellung KEK