Typisches Kino-Inventar symbolisiert den Bereich Ficion: Handkamera, Filmrollen, Regieklappe, Popcorn, 3-D-Brille.

Fictionrechte

Bedeutung für die Meinungsvielfalt

Für die Meinungsbildung sind neben Nachrichtensendungen und politischen Magazinen auch Formate wie Unterhaltungssendungen, Fernsehfilme, Serien und Sportberichterstattung relevant. Fiktionale Programminhalte stellen dabei, sowohl was den Umfang des Programmangebots als auch was die Programmnutzung angeht, ein wichtiges TV-Segment dar.

Steigende Nachfrage nach Bewegtbild-Inhalten durch Online-Plattformen

Durch die steigende Anzahl von digitalen Fernsehsendern und Plattformen wächst auch die Nachfrage nach Bewegtbildinhalten. Als Inhalteanbieter treten Produzenten von Kino- und/oder Fernsehproduktionen, Rechtehändler und zum Teil auch Fernsehveranstalter bzw. die mit ihnen verbundenen Rechtehandelseinheiten auf.

Auf der Nachfrageseite konkurrieren neben den klassischen Fernsehveranstaltern Video-on-Demand-Plattformen wie Netflix, Amazon und Maxdome aber auch Netzbetreiber wie Vodafone, Unitymedia und die Deutsche Telekom um die Inhalte. Mit der zunehmenden Plattformkonkurrenz steigt auch der Bedarf an exklusiv vergebenen Nutzungsrechten. Die Plattformen agieren daher nicht mehr bloß als Abnehmer für fiktionale Inhalte im Rahmen der Verwertungskette sondern produzieren zunehmend Inhalte selbst bzw. lassen sie im Wege der Auftragsproduktion erstellen.

Dabei arbeiten sie auch mit Produktionsunternehmen in lokalen Märkten zusammen.

Durch die Investitionen der VoD-Plattformen in attraktive fiktional Inhalte geraten insbesondere die klassischen Pay-TV-Veranstalter unter Druck und steigen ebenfalls in die Inhalteproduktion ein.

Deutsche Produktionen von Streaming-Diensten und Pay-TV-Anbietern seit 2017

 

Konkurrenz erwächst den klassischen Fernsehveranstaltern auch durch Online-Video-Plattformen wie YouTube, die zunehmend professionell erstellte Inhalte zum Abruf bereitstellen.

Die Anbieter von Online-Video-Kanälen gehen vermehrt Partnerschaften mit sogenannten Multi-Channel-Networks ein, die die Produktionen unterstützen und Kanäle bündeln und vermarkten. Um für die Zielgruppe der internetaffinen jüngeren Nutzer entsprechende Angebote bereithalten zu können, beteiligen sich die großen Medienkonzerne an Multi-Channel-Networks und Online-Video-Produzenten bzw. gründen in diesem Bereich eigene Unternehmen.

Fiktionale Programminhalte im Fernsehen

Die kontinuierliche Programmforschung der Medienanstalten belegt, dass fiktionale Inhalte bei fast allen untersuchten privaten Sendern den größten Raum einnehmen.

Die Kategorie der fiktionalen Unterhaltung umfasst hier Kino- und Fernsehfilme, TV-Serien, Zeichentrick- und Animationsformate sowie inszenierte Reality-TV-Formate („Scripted-Reality-TV“). Der Zugang zu Rechten an hochwertigen fiktionalen Programminhalten ist ein wichtiger Erfolgsfaktor bei der Fernsehveranstaltung. Dies gilt insbesondere im Bereich des Pay-TV.

Programmstruktur der größten frei empfangbaren Sender 2017

 

 

 

Produktion und Rechtehandel

Produktion und Rechtehandel zählen zu den medienrelevanten verwandten Märkten, die in die medienkonzentrationsrechtliche Prüfung einzubeziehen sind.

Für Fernsehveranstalter kann eine Verflechtung mit Produktionsunternehmen und Rechtehändlern u. a. den Vorteil eines direkten und exklusiven Zugangs zu attraktiven Programminhalten bieten. Umgekehrt versuchen Produzenten und Rechtehändler, ihre Marktmacht mit Hilfe eigener Abspielkanäle zu festigen.

Produktionsformen

Programmveranstalter können Fernsehsendungen als

  • Eigen- oder Koproduktionen ganz oder in Teilen selbst herstellen oder als
  • Auftrags- oder Kaufproduktionen über den Markt beziehen.

Als Eigenproduktion gelten die Sendungen/Programmteile, die unternehmensintern im Sender hergestellt werden. Im fiktionalen Bereich hat die Eigenproduktion an Bedeutung verloren. Abgesehen von der Produktion von Nachrichten (insbesondere bei den öffentlich-rechtlichen Sendern) sind meist nur aktuelle Informationssendungen Eigenproduktionen. Bei der Auftragsproduktion erteilt ein Fernsehsender einem externen Produzenten den Auftrag zur Herstellung einer Sendung. Dazu zählen auch Produktionen, die zwar nicht vom Fernsehveranstalter selbst aber von einem zum selben Konzern gehörigen Unternehmen hergestellt werden. Eine dritte Kategorie stellen Kaufproduktionen (Lizenzprogramme) dar, bei denen der Sender TV-Verwertungsrechte für Produktionen erwirbt. Hierbei stellen insbesondere fiktionale Stoffe von Hollywood Studios oder US-Serien massenattraktive Inhalte dar. Kaufprogramme machen vor allem bei Pay-TV-Sendern einen Großteil des Programmangebots aus.

Zusammensetzung des Programms (Erstsendungen) nach Produktionsformen

Beteiligung von Fernsehsendern an Produktionsunternehmen

Verflechtungen von Produktions- und Senderunternehmen können sich nachteilig auf die Absatzchancen unabhängiger Produzenten auswirken. Die Nachfragemacht der Fernsehveranstalter ist dabei größer, je stärker der Fernsehmarkt konzentriert ist. Der Film- und Fernsehproduktionsmarkt in Deutschland ist von einer Vielzahl von Anbietern geprägt und sehr kleinteilig strukturiert.

Die Marktstrukturen sind weitgehend intransparent, konkrete Marktanteile schwer zu ermitteln. Sofern die im Produktionsmarkt aktiven Unternehmen Umsatzzahlen veröffentlichen, so umfassen diese häufig als Konzernumsätze weitere Geschäftsbereiche wie Kinofilmproduktion, Verleih, Rechtehandel und technische Dienstleistungen oder zielen auf den internationalen Markt. Studien belegen jedoch, dass einige wenige Unternehmen einen Großteil der Produktionsumsätze und des Produktionsvolumens in Deutschland auf sich vereinigen, die zu einem bedeutenden Teil mit Fernsehveranstaltern unmittelbar verflochten sind. So zählen die UFA-Gruppe der RTL Group (UFA-Gruppe) sowie die Produktionsunternehmen der öffentlich-rechtlichen Sender (u. a. Studio Hamburg, Bavaria und ZDF Enterprises) zu den größten Produktionsunternehmen im deutschen Markt

Beteiligung von Produktionsunternehmen an Fernsehsendern

Eher selten sind Fälle, bei denen Produzenten einen traditionellen Fernsehsender gründen oder sich an einem solchen beteiligen. Grund hierfür ist, dass der Betrieb von Distributionskanälen zusätzliche Kapazitäten im Bereich der Sendeablauforganisation und des Endkundenmarketings erfordert, über die selbst große Produktionsunternehmen häufig nicht verfügen. Zudem ist für die Fernsehveranstaltung ein umfangreicher Rechtestock erforderlich. Da deutsche Auftragsproduzenten nach dem herkömmlichen Vertragsmodell selten selbst die Rechte an ihren Produktionen halten, verfügen sie in der Regel nicht über einen ausreichenden Programmbestand, um einen Fernsehsender auszustatten.

Anders stellt sich dies für die großen Hollywood Studios und ihre Konzernverbünde dar: So haben u. a. NBC Universal, Disney und WarnerMedia (ehemals Time Warner) in Deutschland über Tochterunternehmen eigene TV-Sender gegründet, die aus dem Programmportfolio der konzernzugehörigen Studios gespeist werden. Den Produktionen der sogenannten Major Studios wird ein besonders hoher Wert beigemessen. Als die „Big Six“ gelten die Studios

  • Warner Bros.
  • Walt Disney
  • Universal Studios
  • Sony Pictures
  • Twentieth Century Fox und
  • Paramount.

Allein auf die fünf größten Studios entfiel ein Marktanteil von über 80 %. Die Twenty-First Century Fox und ihre Studios sind gegenwärtig Übernahmeziel des Medienkonzerns Disney. Das heißt künftig gehören die in der nach Einnahmen an den Kinokassen bemessenen Rangliste der größten Filmstudios erstplatzierten Studios von Disney und die an fünfter Stelle stehenden Studios der  Twenty-First Century Fox dem gleichen Konzern an.

Rechtehandel

Der Produktion von Programminhalten nachgelagert ist die wirtschaftliche Nutzung durch den Rechtehandel. Den Handel mit Programmlizenzen übernehmen in Deutschland zum einen nationale und internationale Rechtehändler. Zum anderen vertreiben Film- und Fernsehproduzenten ihre Vermarktungs- und Nutzungsrechte direkt. Auch die Veranstalter betreiben untereinander Lizenzhandel. Gegenstand des Handels sind häufig Lizenzpakete, die Spielfilme, Fernsehfilme, Serien etc. unterschiedlicher kommerzieller Erfolgskategorien enthalten. Produzenten und Rechtehändler können so ihr Erfolgsrisiko zum Teil an die Abnehmer weitergeben. Die Sender versuchen ihrerseits, für sie unattraktive oder nicht ins Senderprofil passende Titel weiter zu veräußern oder innerhalb der Sendergruppe zu verwerten.

 

 

 

Output-Deals

Um sich dem Einfluss größerer Rechtehändler zu entziehen, haben die großen Sendergruppen direkte Verträge mit internationalen Film- und Fernsehproduzenten geschlossen oder zum Einkauf fremder oder zur Vermarktung eigener Produktionen eigene Rechtehandelsunternehmen gegründet. Die vertikal integrierten Sender können von der Programmbibliothek der zu ihrer Unternehmensgruppe gehörigen Rechtehandelsunternehmen profitieren. Neben der Verbindung mit Produktions- und Rechtehandelsunternehmen sichern sich Veranstalter attraktive Rechte durch Paketverträge. Zu unterscheiden sind

  • Volume-Deals, bei denen Verträge über ein bestimmtes finanzielles Gesamtvolumen abgeschlossen werden, und
  • Output-Deals, in deren Rahmen sich ein Fernsehsender zur pauschalen Abnahme aller in einem bestimmten Zeitraum hergestellten Produktionen des Produktionsstudios verpflichtet.


Häufig erhält der Fernsehsender auch das Recht, auf die sogenannte „Library“ – den Altbestand an Programmen – des Lizenzinhabers zuzugreifen. Die Hollywood-Studios können auf diese Art ihre Programme als Gesamtpaket im ausländischen Markt verwerten.

In Deutschland hat für den Pay-TV-Bereich Sky Deutschland mit allen großen Hollywood-Studios Output-Deals bzw. langfristige Paketverträge geschlossen. Im frei empfangbaren Fernsehen waren die Rechte-Pakete der Hollywood Majors über die letzten 20 Jahre stark umkämpft. Maßgeblich die RTL Group und ProSiebenSat.1 sicherten sich mit umfassenden Output-Deals und Paketverträgen langfristig die Zugriffsrechte auf Produktionen der Studios und wechselten sich in Konkurrenz als deren Vertragspartner ab.  In den letzten Jahren hat die Bedeutung der teuren und risikobehafteten Paket-Deals abgenommen. Der Trend geht eher zum Kauf einzelner Formate und zur Produktion eigener Inhalte („Originals“). Vor allem die RTL-Gruppe setzt weniger auf paketierte Programminhalte der US-Majors. Dagegen erwirbt ProSiebenSat.1 weiterhin wesentliche Teile ihres Programmvermögens in Form von Filmpaketen der Hollywood Studios und unterhält mit diesen langfristige Verträge, wobei auch die SVOD-Rechte für den unternehmenseigenen Streaming-Dienst Maxdome eine wichtige Rolle spielen. Trotz verstärkter Eigenproduktionen durch TV-Veranstalter und Streaming-Dienste, Abkehr von großen Paket-Deals und Trend zu Serienproduktionen bleiben die Hollywood Studios die maßgeblichen Lieferanten von Premium-Content. Im Zuge der Megafusion Disney/Twenty-First Century Fox entsteht im Bereich der Film- und Fernsehproduktion ein noch weitaus mächtigerer Player.

Eine ausführliche Darstellung des Fictionrechtemarkts enthält der sechste Medienkonzentrationsbericht (Seite 223) der KEK (Link).


Stand: 2019-02


Rechtehandelsunternehmen

In Deutschland war die KirchGruppe als erstes deutsches Unternehmen im Rechtehandel tätig. Nach deren Zusammenbruch sind neben internationalen Rechtevermarktern u. a. aktiv:

  • die Tele München Gruppe
  • die Kineos GmbH/Beta Film GmbH (Jan Moijto)
  • die StudioCanal-Gruppe
  • die RTL Group mit der FremantleMedia-Gruppe
  • die ProSiebenSat.1 Media SE mit der Unternehmenssparte Red Arrow
  • ZDF Enterprises und
  • Degeto (ARD).