Radio: Junger Mann im Radiostudio

Hörfunk

Der Hörfunk spielt als Tagesbegleitmedium eine wesentliche Rolle für die öffentliche Kommunikation. Unter Meinungsvielfaltsaspekten sind Verflechtungen von Fernseh- und Hörfunkveranstaltern von besonderer Bedeutung. Die KEK bezieht den Hörfunk als „medienrelevanten verwandten Markt“ in die medienkonzentrationsrechtliche Prüfung ein (§ 26 Abs. 2 RStV).

Der Rundfunkstaatsvertrag enthält keine Maßnahmen zur Sicherung der Meinungsvielfalt im privaten Hörfunk. Die Aufgabe, Vielfalt zu sichern, ist Bestandteil der einzelnen Landesmediengesetze, die unterschiedliche Regulierungsansätze verfolgen. Zum einen haben sich Landesgesetzgeber an einem außenpluralen Modell orientiert, wonach der Rundfunk in seiner Gesamtheit Vielfalt gewährleisten muss. Zum anderen werden binnenplurale Maßnahmen, die den Rundfunkveranstalter an sich zur Vielfaltsicherung in seinem Programm anhalten, zum Erhalt der Meinungsvielfalt ergriffen. Daneben besteht in einigen Ländern auch eine Kombination beider Ansätze.

Verflechtungen von Fernseh- und Hörfunkveranstaltern

Aus Sicht der KEK sind in erster Linie die Hörfunkbeteiligungen von Unternehmen relevant, die auch im nationalen Fernsehmarkt engagiert bzw. mit Veranstaltern von bundesweitem privatem Fernsehen verflochten sind. Hier spielt die Mediengruppe RTL Deutschland mit ihrem großen Portfolio an Hörfunkbeteiligungen eine wesentliche Rolle.

Auch die Hubert Burda Media Holding Kommanditgesellschaft verfügt über zahlreiche Hörfunkbeteiligungen und ist an den bundesweiten privaten Fernsehsendern RTL II (1,1 %) und BonGusto (83,5 %) beteiligt. Die Heinrich Bauer Verlag KG, die ebenfalls an dem Fernsehsender RTL II (31,5 %) beteiligt ist, hält drei Hörfunkbeteiligungen. Ebenso verfügt die Georg von Holtzbrinck GmbH & Co. KG, die an dem Pay-TV-Sender Gute Laune TV (40,34 %) beteiligt ist, nur über eine geringe Zahl an Hörfunkbeteiligungen. Die Verlagsgesellschaft Madsack GmbH & Co. KG hält sämtliche Anteile an der AZ Media TV GmbH, die Drittfenster im Programm von RTL veranstaltet, sowie zahlreiche Radiobeteiligungen in verschiedenen Bundesländern.

Mit Ausnahme der französischen NRJ Group, die es geschafft hat, ein Netz von Ballungsraumsendern aufzubauen, spielen ausländische Veranstalter im deutschen Radiomarkt praktisch keine Rolle. Somit gibt es eine Reihe von Hörfunkanbietern, die zwar keine Beteiligungen an bundesweitem privatem Fernsehen halten, aber dennoch eine wesentliche Rolle im deutschen Privatradiomarkt spielen.

Nach Angaben der Medienanstalten sind in Deutschland insgesamt rund 600 Gesellschafter bei lokalen und landesweiten Hörfunksendern engagiert. Dabei handelt es sich um national und international tätige Medienkonzerne, überregionale Verlage, Verbände, Institutionen und Privatpersonen. Die Eigentümerstruktur der deutschen Privatradiolandschaft ist somit von einer großen Vielfalt geprägt. Zugleich gibt es jedoch nur wenige private Landes- und Lokalsender, an denen die großen Radio-Holdings nicht beteiligt sind. Dabei handelt es sich aber überwiegend um Minderheitsbeteiligungen. 

Mediengruppe RTL Deutschland

Die Mediengruppe RTL Deutschland zählt mit ihren zahlreichen direkten und indirekten Radiobeteiligungen zu den wichtigsten Hörfunkanbietern in Deutschland. Nach eigenen Angaben war die RTL Group Ende 2016 an 31 Radiostationen weltweit beteiligt. Die deutschen Hörfunkbeteiligungen der RTL-Gruppe sind in einer Radio-Holding, der RTL Radio Deutschland GmbH, gebündelt. Durchschnittlich erreichen die Hörfunkprogramme der Radio-Holding 28 Mio. Hörer an einem Tag und fast 6 Mio. Hörer in einer Stunde.

Hörfunkbeteiligungen der Mediengruppe RTL Deutschland 2016
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Neben den vielen Beteiligungen an Hörfunksendern ist die Mediengruppe RTL Deutschland an der Radiovermarktungsgesellschaft RTL Radiovermarktung GmbH, Berlin, beteiligt, die insbesondere für die Programme 104.6 RTL, 105.5 Spreeradio und 93,6 JAM FM die Vermarktung von Werbezeiten übernimmt. 

Hubert Burda Media Holding Kommanditgesellschaft

Die Hubert Burda Media Holding Kommanditgesellschaft ist eines der größten Medienunternehmen in Deutschland. Die Geschäftsfelder des Unternehmens erstrecken sich über Print, Online und Rundfunk. Der Konzern hält zahlreiche direkte oder indirekte Hörfunkbeteiligungen. Insbesondere in Süddeutschland gehört Burda zu den bedeutenden Akteuren im Hörfunksektor. Über die Studio Gong GmbH & Co. KG, an der das Familienunternehmen 41,67 % der Anteile über seine hundertprozentige Tochtergesellschaft Burda Broadcast Media GmbH & Co. KG hält, ist die Hubert Burda Media Holding Kommanditgesellschaft an weiteren Hörfunksendern beteiligt. 

Hörfunkbeteiligungen der Hubert Burda Media 2016
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Heinrich Bauer Verlag KG

Die Heinrich Bauer Verlag KG hält drei Hörfunkbeteiligungen in Deutschland. Dabei handelt es sich um Beteiligungen an der Radio Hamburg GmbH & Co. KG (25 %; Radio Hamburg) sowie über Radio Hamburg an der Radio 95.0 GmbH & Co. KG (16,4 %; Hamburg zwei) und der NORA NordOstsee Radio GmbH & Co. KG (8,87 %; Radio NORA).

Georg von Holtzbrinck GmbH & Co. KG

Die Georg von Holtzbrinck GmbH & Co. KG ist mit 40,34 % an der Gute Laune TV GmbH beteiligt, die das Musikspartenprogramm Gute Laune TV veranstaltet. Über die AVE IV Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH hält Holtzbrinck indirekte Beteiligungen an den Veranstaltern der Hörfunkprogramme Radio Gong 96,3 München und egoFM. 

Verlagsgesellschaft Madsack GmbH & Co. KG

Die Madsack Mediengruppe ist mittelbar an zahlreichen Hörfunksendern schwerpunktmäßig in den Bundesländern Hamburg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein beteiligt und hält über die Radioholdinggesellschaft Regiocast GmbH & Co. KG weitere Beteiligungen an Hörfunkveranstaltern. Unmittelbar ist die Verlagsgesellschaft Madsack GmbH & Co. KG an der Funk & Fernsehen Nordwestdeutschland GmbH & Co. KG (radio ffn) in Höhe von 11,73 % beteiligt. Aus medienrechtlichen Gründen werden die Gesellschaftsanteile der Funk & Fernsehen Nordwestdeutschland GmbH & Co. KG teilweise von der Radio Madsack Niedersachsen GmbH & Co. KG gehalten. 

Hörfunkbeteiligungen der Madsack Mediengruppe 2016
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Weitere wichtige Hörfunkanbieter

Neben der Mediengruppe RTL Deutschland, der Hubert Burda Media und der Madsack Mediengruppe zählen die Axel Springer SE, die Müller Medien GmbH & Co. KG, die Regiocast GmbH & Co. KG, die Studio Gong GmbH & Co. KG und die FUNKE MEDIENGRUPPE zu den wichtigen Hörfunkanbietern in Deutschland. Die Axel Springer SE besitzt mit fünf direkten Beteiligungen an Hörfunksendern sowie zahlreichen indirekten Beteiligungen eines der größten Hörfunk-Portfolios in Deutschland.

Dazu zählen u. a. Antenne Bayern und Hitradio FFH. Die Radioholdinggesellschaft Regiocast GmbH & Co. KG hält hauptsächlich Beteiligungen an privaten Radiosendern in Ost- und Norddeutschland sowie Berlin (z. B. R.SH Radio Schleswig-Holstein, Radio PSR und 94,3 r.s.2). Die Müller Medien GmbH & Co. KG (Oschmann-Gruppe) ist über ihre hundertprozentige Tochtergesellschaft Die Neue Welle Rundfunk-Verwaltungsgesellschaft mbH & Co. KG an einer Vielzahl von lokalen Hörfunksendern in Bayern beteiligt. Die Studio Gong GmbH & Co. Studiobetriebs KG ist als Radiogesellschafter vorwiegend in Bayern aktiv und hält dort zahlreiche Beteiligungen an lokalen Hörfunkprogrammen. Daneben verfügt Studio Gong aber auch über Beteiligungen an landesweiten Radiosendern. Die FUNKE MEDIENGRUPPE hält Beteiligungen an lokalen Hörfunkprogrammen in Nordrhein-Westfalen.

Bedeutung für die Meinungsbildung

Im Rahmen der medienrechtlichen Konzentrationskontrolle ist ein Angebot umso relevanter für die Meinungsbildung, je höher die Wirkungsintensität der verbreiteten Inhalte als solche ist, je stärker die redaktionelle Gestaltung der Inhalte ist und je weniger Interaktivität des Nutzers den Rezeptionsvorgang bestimmt. In Relation zum „Leitmedium“ Fernsehen beurteilt die KEK die Meinungsbildungsrelevanz des Hörfunks wie folgt: Die Reichweite des Hörfunks liegt nur etwas hinter der des Fernsehens, in der Bewertung wird deshalb nur ein geringer Abschlag vorgenommen. Dieser wird auch nicht durch eine herausgehobene zeitliche und räumliche Verfügbarkeit kompensiert. Da der Hörfunk ein elektronisches Medium ist, besteht für den Nutzer eine Bindung an Übertragungskanal, Endgerät und Programmabfolge. Die Suggestivkraft des Hörfunks resultiert allein aus dem Ton. Sie bleibt damit deutlich hinter dem Fernsehen zurück. Im Verhältnis zum potenziellen Meinungseinfluss des Fernsehens gewichtet die KEK den Hörfunk mit dem Faktor ½.

Für die Berechnung der Marktanteile legt die KEK die von der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (agma) ausgewiesenen Hördaueranteile der Radioprogramme zugrunde. Auf dieser Grundlage ermittelt die KEK ein Zuschaueranteilsäquivalent für die einem Rundfunkunternehmen zuzurechnenden Hörfunkangebote. Im Rahmen der Gesamtbetrachtung werden die Aktivitäten des Unternehmens auf medienrelevanten verwandten Märkten einbezogen und ein Gesamtzuschaueranteil berechnet, dem eine entscheidende Bedeutung für die Beurteilung der Meinungsmacht im bundesweiten Fernsehen zukommt (§ 26 Abs. 2 RStV).