Fernsehnutzung

Das klassische, lineare Fernsehen ist nach wie vor das meistgenutzte Medium. Die Sehdauer ist auf hohem Niveau relativ stabil. Allerdings gewinnen Bewegtbildangebote im Internet wie Mediatheken, Streaming oder Video-on-Demand insbesondere in der jungen Zielgruppe an Bedeutung.

Die durchschnittliche tägliche Sehdauer für das lineare Fernsehen beträgt in der Gesamtbevölkerung 221 Minuten (2017) und befindet sich damit in etwa auf dem Niveau der Vorjahre (2015/2016: 223 Min.). Auch der Anteil derjenigen, die täglich das Fernsehgerät einschalten, liegt relativ konstant bei rund 71 % in der Gesamtbevölkerung, jedoch mit leicht rückläufiger Tendenz im Langzeitvergleich.

In der Gesamtbevölkerung ist eine deutliche Abkehr vom „klassischen“ Fernsehen bislang nicht zu beobachten. Im Vergleich zum linearen Fernsehen werden Onlinevideos in weitaus geringerem Umfang genutzt, dennoch ist ein kontinuierlicher Bedeutungszuwachs zu verzeichnen. Während in der Bevölkerung ab 14 Jahren im Jahr 2016 die tägliche Sehdauer von Onlinevideos bei durchschnittlich 11 Minuten lag, waren es im Jahr 2017 bereits 21 Minuten. In der jungen Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen werden Onlinevideos intensiver genutzt: Im Durchschnitt lag 2017 die tägliche Sehdauer bereits bei 59 Minuten, 2016 waren es noch 30 Minuten (Quelle: ARD/ZDF-Onlinestudien). Auf das lineare Fernsehen entfielen 2016 in dieser Altersgruppe 119 Minuten und 2017 nur noch 105 Minuten täglicher Nutzungszeit (Quelle: AGF/GfK). Somit zeigt sich in der jungen Zielgruppe bereits ein deutlicher Trend hin zur Onlinevideonutzung.

Programmangebot

Das Programmangebot in Deutschland ist sehr vielfältig. Nach Angaben der TV-Senderdatenbank sind mehr als 180 private Fernsehprogramme bundesweit zugelassen. Hinzu kommen 21 Programme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, mehr als 200 regionale bzw. lokale Fernsehprogramme, Teleshoppingsender oder Programme mit einer ausländischen Lizenz.

Insbesondere Zielgpruppensender gewinnen an Bedeutung. Auch Angebot und Akzeptanz bezahlpflichtiger TV-Angebote wachsen. Zur Jahresmitte 2017 waren 86 Pay-TV-Programme mit deutscher Zulassung auf Sendung. Zahlenmäßig dominieren die Unterhaltungsprogramme, sie machen die Hälfte des Programmangebots aus, gefolgt von den Sport-, Informations/Dokumentations-, Kinder- und Musikprogrammen. Die Zahl der Pay-TV-Abonnenten ist von 6 Mio. im Jahr 2012 auf rund 8 Mio. im Jahr 2017 gestiegen. Bezogen auf alle TV-Haushalte, also einschließlich der Haushalte ohne Pay-TV-Abonnement, liegt der von der AGF ermittelte Zuschaueranteil im Gesamtpublikum derzeit bei rund 3 %. Pro Monat nutzen etwa 12 Mio. Menschen Pay-TV-Programme.

Zuschaueranteile

Die Marktposition der großen Fernsehsender bleibt weitestgehend stabil. Seit Jahren erreichen nur die beiden öffentlich-rechtlichen Programme Das Erste und ZDF einen durchschnittlichen Zuschaueranteil von mehr als 10 %. Im Jahr 2017 war mit 13,0 % das ZDF erneut Marktführer vor dem Ersten mit 11,3 %. Die beiden großen Privatsender RTL Television und SAT.1 mussten im Vergleich zum Vorjahr wiederholt leichte Einbußen hinnehmen. Im Jahresdurchschnitt 2017 erreichte RTL Television einen Zuschaueranteil von 9,2 % (2016: 9,7 %) und SAT.1 6,7 % (2016: 7,3 %).

Zuschaueranteile Kreisdiagramm

Zuschaueranteile Tabelle

Zuschaueranteile und Meinungsmacht

Die zentrale Bestimmung zur Sicherung der Meinungsvielfalt im bundesweit verbreiteten Fernsehen stellt § 26 RStV dar. Danach ist es einem Unternehmen erlaubt, selbst oder durch ihm zurechenbare Unternehmen bundesweit im Fernsehen eine unbegrenzte Anzahl von bundesweiten Fernsehprogrammen zu veranstalten, solange es nicht dadurch vorherrschende Meinungsmacht erlangt. Der Begriff der „vorherrschenden Meinungsmacht“ ist im Wesentlichen an den vom einzelnen Fernsehveranstalter erreichten Zuschaueranteil oder einen diesem entsprechenden oder gleichwertigen Sachverhalt geknüpft.

Regelungen zur Ermittlung der Zuschaueranteile sind in § 27 RStV enthalten. Demnach sind die Zuschaueranteile unter Einbeziehung aller deutschsprachigen Programme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und des bundesweit empfangbaren privaten Rundfunks mit Hilfe von repräsentativen Erhebungen bei Zuschauern ab Vollendung des dritten Lebensjahres nach allgemein anerkannten wissenschaftlichen Methoden zu ermitteln.

Die KEK ist für die Ermittlung der den Unternehmen jeweils zurechenbaren Zuschaueranteile zuständig (§ 36 Abs. 4 RStV). Dafür verwendet die KEK gemäß der Übergangsbestimmung des § 34 Satz 1 RStV vor allem die von der Arbeitsgemeinschaft Videoforschung (AGF) in Kooperation mit der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) erhobenen und veröffentlichten Zuschaueranteile (Sehdaueranteile, Marktanteile; Basis: Zuschauer ab drei Jahren).

Bei Zurechnung der einzelnen Programme zu ihren „Senderfamilien“ (§ 28 RStV), dominieren drei große Veranstaltergruppen den deutschen Fernsehmarkt: Es sind dies der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit einem Gesamtzuschaueranteil im Jahr 2017 von 46,7 %, die Mediengruppe RTL Deutschland mit 23,2 % und die ProSiebenSat.1 Media SE mit 17,8 % Zuschaueranteil. Auf die restlichen Sender entfällt ein Zuschaueranteil von insgesamt 12,3 %.